Berliner Literaturpreis : Olga Martynova erhält den Berliner Literaturpreis

Die russische Autorin Olga Martynova lebt seit 1991 in Berlin. Nun wird die Schriftstellerin mit dem hochdotierten Berliner Literaturpreis geehrt, mit dem auch eine Gastprofessur an der FU verbunden ist. "Sie schreibt aus dem Mahlstrom der nachsozialistischen Ära", findet die Jury.

Olga Martynova bei der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises 2012 Foto: dpa
Olga Martynova bei der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises 2012Foto: dpa

Die Schriftstellerin Olga Martynova wird mit dem Berliner Literaturpreis ausgezeichnet. Die mit
30.000 Euro dotierte Ehrung wird jährlich von der Stiftung Preußische Seehandlung vergeben. Sie beinhaltet außerdem die Berufung der Freien Universität Berlin auf die „Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik“. Martynova, die seit 1991 in Deutschland lebt und unter anderem auch im Tagesspiegel schrieb, wird die Dozentur im Sommersemester 2015 antreten.

Martynovas anarchischer Witz offenbart sich vor allem in ihrer Lyrik, so die Jury

Die Jury mit Peter-André Alt, Sonja Anders, Jens Bisky, Kristin Schulz und Thomas Wohlfahrt schreibt in der Begründung für ihre Preisvergabe an die 1962 bei Krasnojarsk geborene, in Leningrad aufgewachsene Schriftstellerin: "Die Spirale der Geschichte ruiniert die Zentren, indem sie sich durch die Randzonen mahlt. (Heiner Müller) Olga Martynova schreibt aus diesem Mahlstrom von Geschichte heraus, den die nach-sozialistische Ära ausmacht. Mit überbordender Phantasie und traumwandlerischer Leichtigkeit gelingt es ihr in ihren Romanen "Sogar Papageien überleben uns" (2010) und "Mörikes Schlüsselbein" (2013), gängige Themen wie Herkunft, Liebe oder Familie in ein trans-historisches Universum zwischen St. Petersburg, Berlin, Frankfurt, Chicago und Sibirien zu übersetzen, in das sich die Protagonisten fügen und finden und das dem Leser den eindimensionalen Plot verweigert."

Besonders in Martynovas Lyrik offenbare sich ihr "verschroben anarchischer Witz und ihr erfrischend respektvoll-respektloser Umgang mit literarischen Traditionen", heißt es weiter in der Jury-Begründung. Martynovas Handhabung von Sprache sei höchstsensibel und genau, "gerade weil sie ihre Nicht-Muttersprache – deutsch – zum "Instrument von Spracherkundung werden lässt. Aus dieser poetischen Weltanschauung und -aneignung blitzt die vergangene als nicht vergehende Zeit auf, deren rätselhaft magische Vexierbilder den Leser dauerhaft in den Bann ziehen und bleiben,
indem auch sie sich verändern."

Die Preisverleihung findet am 18. Februar 2015 in Berlin im Roten Rathaus statt. Die Laudatio hält Elke Erb. Bisherige Gewinner des seit 2005 verliehenen Preises waren Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer, Dea Loher, Sibylle Lewitscharoff, Thomas Lehr, Rainald Goetz, Lukas Bärfuss und Hans Joachim Schädlich. Tsp


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