Kultur : Berliner Lust

Katrin Wittneven

über neue und alte Junggaleristen Unter dem optimistischen Namen Upstairs Berlin haben gestern die Kunsthistorikerin Harriet Häußler, zuvor Leiterin der Galerie Villa Grisebach-Contemporary, und der Literaturwissenschaftler Aeneas Bastian, Sohn des Marx-Kurators Heiner Bastian, Galerieräume in einem S-Bahn-Bogen an der Jannowitzbrücke eröffnet – mit einem Schlusspunkt in gewisser Hinsicht: dem Grafik-Zyklus „The Last Supper“ von Damien Hirst (bis 20. April, Auflage 150, 52000 Euro). Als Vorlage für die 1,55 mal 1,01 Meter großen Blätter dienten dem Britpop-Star reale Pharmaprodukte, deren Namen er mit feiner Ironie durch typisch englische Gerichte ersetzt hat. Doch humoresk wirken die Bildtafeln, auf denen Hirst stets auch seinen eigenen Namen unterbringt, nur so lange man nicht weiß, dass die Medikamente normalerweise für Krebs- und Aids-Patienten gedacht sind.

Zum ersten Mal ist der vor sechs Jahren entstandene Zyklus nun komplett in Berlin zu sehen. Auf die Nähe zur Sammlung Marx angesprochen, in der sich ebenfalls Werke von Damien Hirst befinden, reagieren die beiden 30-jährigen Kunsthändler erstaunlich überrascht. Ihr Programm entwickeln sie selbstredend unabhängig von dem Bestand der Berliner Museen. Sie wollen Schwerpunkte mit Künstlern aus Großbritannien und Deutschland setzen – und das nicht nur mit großen Namen. Im Gegenteil: Der 1978 geborene Albert-Oehlen-Schüler Dominik Halmer soll die nächste Einzelausstellung bestreiten, mit der Bildhauerin Veronika Veit werden im Mai zusätzliche Galerieräume in der Zimmerstraße eingeweiht. Schließlich wollen die beiden Junggaleristen hoch hinaus.

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Wie lange bleibt man eigentlich Junggalerist? Joanna Kamm darf sich noch dazu zählen, obwohl sie mit ihrer Galerie den fünften Geburtstag feiert und längst über Berlins Grenzen hinaus eine Größe ist. Die Jubiläumsausstellung haben die Künstler der Galerie im doppelten Sinn diesmal selber eingerichtet: Unter dem Titel „Relation“ hat jeder von ihnen einen Künstler eingeladen, der für seine Arbeit wichtig ist – entweder als Vorbild, als Anregung oder Freund. Die Gästeliste, die am Ende zusammengekommen ist, liest sich erstaunlich prominent: Mike Kelley starrt als Jesus und Satan mit Teufelshörnern von zwei Seidenfahnen, von Ed Ruscha sind wunderbare Luftaufnahmen amerikanischer Parkplätze zu sehen (4000 Dollar), Corinne Wasmuht zeigt ein flirrendes Gemälde (12000 Euro), Felix Stephan Huber ist mit einer großformatigen Wandarbeit dabei (Auflage 3, 1500 Euro). Die Ausstellung gewinnt ihren Reiz, wenn man sich die Arbeiten der Künstler in Erinnerung ruft, die hier eingeladen haben, und verborgene Verwandtschaften aufspürt. Dann bietet die Präsentation noch einmal so viele Beteiligte, was den Besuch doppelt lohnt (Almstadtstraße 5, bis 30. April).

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