Kultur : Berliner Museumsinsel: Aufbruch zur Sanierung

Bernhard Schulz

Zehn Jahre liegt die Wiedervereinigung der ehemals "preußischen" und später in den getrennten Teilen Berlins "staatlichen" Museen zurück. In bester Erinnerung ist die Energie, mit der beide Seiten an der Zusammenführung arbeiteten, nicht zuletzt, weil auf der Museumsinsel, dem Herzstück der Berliner Museen, die Zeit drängte.

Sie drängt unverändert. Nach der Spanne eines Jahrzehnts betrübt das Ausbleiben sichtbare Ergebnisse. Zweifel keimen, ob die angestrebte Generalsanierung der Insel binnen eines weiteren Jahrzehnts gelingen kann. Die Ausstellung "Masterplan Museumsinsel Berlin - Ein europäisches Projekt", die von heute an in der beeindruckenden Teilruine des Neuen Museums gezeigt wird, darf wohl als Bilanz der zwischenzeitlich ungemein präzisierten Planungen gelten wie als neuerliche Bekräftigung, die Baumaßnahmen nun endlich mit aller Kraft anzugehen.

Unendlich viel ist debattiert worden über den "Masterplan", der ein sowohl architektonisches als vor allem auch museologisches Gesamtkonzept für die Insel birgt. In der Mitte der neunziger Jahre prallten unvereinbare Positionen aufeinander. Nachdem der von der Museumsspitze favorisierte Neubauentwurf des Kaliforniers Frank Gehry nicht durchzusetzen war, "sind wir" - so der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Peter-Klaus Schuster - "antiquarisch geworden". Die Parole: zurück zur Vorkriegslage, auf lange Frist gar noch weiter zurück zur Zeit vor den Museums-"General" der imperialen Epoche um 1900, Wilhelm von Bode, als alle europäischen Kunstsammlungen auf der Insel vereint waren.

Die Schuster-Vision von der Rückführung der Gemäldegalerie auf oder an die Insel bezeichnet er selbst als "Masterplan 2", dazu kommt dann noch als "Masterplan 3" die Idee der Verlagerung der Dahlemer Sammlungen in ein zukünftiges Gebäude auf dem Schlossplatz - zu viel der Pläne für den Augenblick, zumal in Anbetracht der Geldnöte.

Anders die Generalsanierung der Museumsinsel. Seit sich die Bundesregierung zu ihr als einer gesamtstaatlichen Aufgabe bekannt hat und auch für das verflixt klamme Land Berlin ein Weg der Mittelaufbringung gefunden worden ist, können die (mindestens) zwei Milliarden Mark reiner Baukosten jahrgangsweise in Tranchen von 200 Millionen verplant werden. David Chipperfield aus London, der aus dem gescheiterten Wettbewerb von 1994 als der vielleicht einfühlsamste Architekt hervorgegangen und mit der Generalplanung, der Rekonstruktion des Neuen Museums sowie dem Entwurf eines neuen Erschließungs- und Servicegebäudes betraut worden ist, sieht bekanntlich die unterirdische Verbindung der Museumsbauten vor.

Die Museen sollen als Solitäre erlebbar bleiben, einschließlich gesonderter Eingänge für den Einzelinteressenten. Den Vorwurf des "Schnellrundgangs", den hartnäckige Kontrahenten auch heute noch gegen jedwede Verbindung der Museen erheben, nennt Schuster auch aus diesem Grund "hinlänglich töricht". Vielmehr erlaubt diese als "archäologische Promenade" bezeichnete Verbindung, die nur zum geringeren Teil in Tunneln, überwiegend aber durch die dann geöffneten Lichthöfe und Sockelgeschosse der ehrwürdigen Bauten verlaufen wird, sich den historisch-systematischen Zusammenhang der Weltkulturen regelrecht zu erwandern.

Die Pläne und Modelle für die Herrichtung der einzelnen Solitärbauten - vom Alten Museum Schinkels (eröffnet 1830) über das Neue Museum Friedrich August Stülers (1859), das Bode-Museum an der Inselspitze von 1904 bis zum Pergamonmuseum, "unvollendet vollendet" 1930 - sind jetzt im Überblick in der Ausstellung zu sehen, dazu Fotografien und Dokumente aus der Geschichte der Insel. Stüler war es, der nach der wegweisenden "Kabinetssordre" König Friedrich Wilhelms IV. von 1841, "die ganze Insel hinter dem Museum zu einer Freistätte für Kunst und Wissenschaft umzuschaffen", an den ersten und bis heute nicht wirklich übertroffenen Generalplan ging, auch wenn die weitere Baugeschichte der Staatlichen Museen eine von Kompromissen, Konflikten und vor allem Verzögerungen geworden ist.

Es ist bedauerlich, dass das ausgebreitete Material in dem begleitenden Essayband nicht vollständig wiedergegeben wird. Aufmerksamkeit verdienen die Pläne allemal, die die mit der Sanierung der Einzelbauten beauftragten Architekturbüros vorstellen: Hilmer + Sattler + Albrecht (München / Berlin) für das Alte Museum, Heinz Tesar (Wien) für das Bodemuseum, O.M. Ungers (Köln) für das Pergamonmuseum und eben Chipperfield, dazu H.G. Merz für die im kommenden Jahr wiederzueröffnende Alte Nationalgalerie, die als einziges Museum nicht an die "Promenade" angeschlossen werden kann und wird. Spätestens 2010 wird man sie mit der Realität eines strahlenden Berliner "Museums der Weltkulturen" vergleichen können.

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