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Berliner Museumsstreit : So weit die Füße tragen

27.08.2012 00:00 Uhrvon
Zankapfel Alte Meister. Gedrängel am Sonnabend bei der 21. Langen Nacht der Museen in der Gemäldegalerie. Foto: dapdBild vergrößern
Zankapfel Alte Meister. Gedrängel am Sonnabend bei der 21. Langen Nacht der Museen in der Gemäldegalerie. Foto: dapd - Foto: dapd

Louvre, British Museum, Eremitage oder das Metropolitan Museum in New York – keines dieser Häuser ist auch nur halbwegs an einem Tag zu ermessen. In diese Reihe gehört auch die Berliner Museumsinsel.

In der „Denkschrift“, die die Generaldirektoren der damals noch unvereinten Staatlichen Museen zu Berlin 1990 vorlegten, steht ein kleiner, bedeutungsschwerer Satz: „Museen können in ihrem öffentlichen Bereich nicht beliebig groß wachsen!“ Er richtete sich gegen das Hinüberwachsen der Museumsinsel auf das Nachbarufer, genau das also, was nun mit der Errichtung eines Neubaus gegenüber dem Bode-Museum wieder angestrebt wird. Gewiss, diese Warnung diente auch dazu, den Bau der – nun, 2012, als Fehlplanung erachteten – Gemäldegalerie am Kulturforum zu rechtfertigen. Das Wachstum der Museen, in Berlin und überall auf der Welt, ist aber eine Tatsache, die in einem nun schon Jahrzehnte währenden Boom in immer neuen Beton gegossen wird und anscheinend kein Ende kennt.

Am einfachsten zu rechtfertigen ist dies mit dem zunehmenden Interesse des Publikums. In Deutschland bewegt sich die Zahl der jährlichen Museumsbesuche – was nicht dasselbe ist wie die Gesamtzahl der Besucher – bei 115 Millionen. Museen zählen zu den „weichen“ Standortfaktoren, ihre ökonomische Wirkung ist nicht unmittelbar messbar, leuchtet aber vom bloßen Augenschein her ein. Man muss sich nur durch die großen Museen von Paris, London oder Madrid drängeln, um die Konsumwilligkeit der internationalen Touristen förmlich zu spüren. Von einer Stadt wie Florenz ganz abgesehen, die ohne Besuch in den Uffizien gar nicht zu denken ist. Oder eben Bilbao, ein zuvor heruntergekommenes Industriezentrum, dessen Revitalisierung allein dem Museumsneubau von Frank Gehry zugeschrieben wird: der sogenannte Bilbao-Effekt.

Das Wachstum der Museen ist einer Art Schneeballsystem zu verdanken. Neue oder erweiterte Museen ziehen neue Besucher an, machen aber immer weitere Attraktionen notwendig, um ihre Beliebtheit zu halten. Touristen, zumal individuell reisende Kulturtouristen, sind „volatil“. Wer Ende der neunziger Jahre nach Bilbao pilgerte, als es neu und aufregend war, muss Jahre später nicht unbedingt ein zweites Mal dorthin wollen.

Nun gilt dieser Sachverhalt nicht für die großen Metropolen, deren Anziehungskraft ohnehin gegeben ist und nicht von einzelnen Museen abhängt, ja nicht einmal von der Museumslandschaft in ihrer Gesamtheit. Und doch unterliegen die Ausstellungshäuser der Metropolen mindestens ebenso sehr dem Wachstumszwang, meist, indem sie aus sich heraus neue Zweigmuseen generieren. So kann Londons ehrwürdige Tate Gallery mit ihrem supererfolgreichen Ableger Tate Modern aufwarten, der nun seinerseits bereits einen gewaltigen Anbau erhält.

Dabei ist die Tate Modern vom Gebäude her größer als ihr Inhalt. Andere, weltberühmte Häuser haben wahrlich mehr zu bieten, rein quantitativ betrachtet. So unterschiedlich sie auch sein mögen, ob Louvre, British Museum, Eremitage oder das Metropolitan Museum in New York – keines dieser Häuser ist auch nur halbwegs an einem Tag zu ermessen. Und welcher Besucher plant schon einen kompletten Besichtigungstag ein, oder gar deren zwei oder drei?

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