Berliner Museumsstreit : Umzug auf Berlinisch

Im Streit über den Umzug der Gemäldegalerie geht es jetzt um die Frage: Taugt das Kronprinzenpalais als Ausweichquartier?

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In der Debatte um den Umzug der Gemäldegalerie wird nun über das Kronprinzenpalais als mögliches Zwischenquartier diskutiert. Die Idee von Kulturstaatsminister Bernd Neumann scheint nicht schlecht: Das Gebäude am östlichen Ende des Boulevards Unter den Linden gehört dem Bund, steht fast leer und kann für Veranstaltungen angemietet werden. 1500 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Hinzukommen 500 Quadratmeter Bürofläche. Einen Teil davon hat die Stiftung „Berliner Schloss Humboldtforum“ bezogen.

Ob der Vorschlag realistisch ist, muss jedoch noch geklärt werden. Eignet sich das spätklassizistische Palais aus bau- und klimatechnischer Sicht überhaupt dazu, Kunst für einen längeren Zeitraum aufzunehmen? Inwieweit Sanierungsmaßnahmen nötig sind, werde derzeit geprüft, sagte ein Sprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben dem Tagesspiegel. Genaueres wird erst bekannt, wenn der Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu seiner nächsten Sitzung im Herbst zusammenkommt. Der bisherige Termin: November.

Ebenfalls unklar ist, ob es auf eine temporäre Nutzung hinauslaufen und ob das benachbarte Prinzessinnenpalais mit einbezogen würde. Auch stellt sich die Frage, welche Sammlung im Rahmen der Rochade dort Platz finden könnte. Die Alten Meister hätten neben dem beengten Bode-Museum eine zusätzliche Ausstellungsfläche in Inselnähe, bis der geplante Neubau fertig wäre, also frühestens in zehn Jahren. Historisch passender wäre es indes, im Kronprinzenpalais dauerhaft die Kunst der Moderne auszustellen, für die bisher die Gemäldegalerie am Kulturforum vorgesehen ist. Das Palais galt einst als das erste Museum für zeitgenössische Kunst weltweit. Ludwig Justi, Direktor der Berliner Nationalgalerie, richtete 1919 dort die „Moderne Abteilung“ ein. Gezeigt wurden Arbeiten französischer Impressionisten, der Berliner Secession sowie deutsche Expressionisten – bis die Nazis die Macht übernahmen. Viele Werke wurden beschlagnahmt, verbrannt oder zur „Entarteten Kunst“ erklärt.

Im Krieg wurde das Palais fast vollständig zerstört, nach einer Renovierung diente es ab 1970 als Gästehaus für Staatsgäste der DDR. 1990 wurde hier der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR unterzeichnet. Seitdem fanden immer wieder Ausstellungen statt. Von 1998 bis 2003 wich das Deutsche Historische Museum mit seinen Wechselausstellungen ins Palais aus, als das Zeughaus vis-à-vis umgebaut wurde. Gezeigt wurden u.a.Fotografien von Barbara Klemm und Herlinde Koelbl sowie Karikaturen von Tomi Ungerer. Und kürzlich ging die Schau „Heimatweh“ der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen zu Ende, die an das Schicksal von Millionen Vertriebenen in Europa erinnerte. 2005 präsentierte hier die MaxPlanck-Gesellschaft Leben und Werk von Albert Einstein.

Ursprünglich wurde das Palais 1663 als Privathaus für den Kabinettssekretär Martiz erbaut. 1732 ließ Architekt Philipp Gerlach es für den Kronprinzen Friedrich und seine Prinzessin Elisabeth von Braunschweig herrschaftlich umbauen. Eine Residenz für Kronprinzen – bald auch für die Kunst?

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