Berliner Opern : Töpfchen oder Kröpfchen

Knapp zehn Millionen erhält Daniel Barenboims Oper Unter den Linden, 5,5 Millionen die Deutsche Oper und vier Millionen die Komische Oper. Doch was stellen die Opern mit der Etaterhöhung an?

Frederik Hanssen
Staatsoper
Staatsoper Unter den Linden. -Foto: dpa

20 Millionen Euro. Das ist eine Menge Geld. Vor allem in diesen Zeiten, vor allem für gebeutelte Institutionen wie die drei Berliner Opern, an deren Etats jahrelang massiv herumgespart worden war. Der Bund, der 200 Millionen Euro für die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden lockermacht, hatte den Senat als Gegenleistung zu dieser Etataufstockung gezwungen. Und zu einer deutlichen Ungleichbehandlung: Knapp zehn Millionen erhält Daniel Barenboims Lindenoper, 5,5 Millionen die Deutsche, vier Millionen die Komische Oper. De facto steht den Häusern damit jetzt wieder so viel zur Verfügung wie 2004. Interessant aber ist, wie unterschiedlich die Institutionen mit dem unerwarteten Geldsegen umgehen.

An der Bismarckstraße sträubt man sich schon gegen diesen Begriff und erklärt: „Die Zuschussaufstockung benötigen wir, um die weitere strukturelle Aushöhlung der Deutschen Oper aufzufangen.“ Darum wird es in Charlottenburg keine Neueinstellungen geben. Stattdessen werden aufgelaufene Defizite ausgeglichen, Tarifsteigerungen aufgefangen, „nicht erwartete Sanierungszahlungen“ an die Rentenkasse geleistet sowie Risikorückstellungen für den Aufbau der Zentralwerkstätten der Opernstiftung.

Die Staatsoper legt ebenfalls Geld für die Zentralwerkstätten zurück (1,5 Millionen Euro im Jahr 2009), während die Komische Oper diese Kosten bereits im regulären Etat eingeplant hatte und darum mit der Haushaltsaufstockung kreativ umgehen kann. So finden an der Behrenstraße in dieser Saison sieben statt der ursprünglich geplanten sechs Premieren statt, ein Opernstudio für den Solistennachwuchs wurde gegründet, die Kinder- und Jugendarbeit verstärkt, der Posten für das künstlerische Personal aufgestockt. Chor und Orchester können sich darüber freuen, dass sie jetzt in derselben Tarifgruppe wie Deutsche und Staatsoper spielen. Ganz sichtbar fürs Publikum wird der Geldsegen durch eine Übersetzungsanlage: Dafür werden in den Rückenlehnen der Sessel kleine Monitore eingebaut, auf denen man künftig den Text der Opern mitlesen kann. Außerdem wurde eine neue „Konzertmuschel“ in Auftrag gegeben, also eine Art hölzernes Bühnenbild, das bei sinfonischen Auftritten des Orchesters für eine angemessene Raumakustik sorgen soll.

Die Staatsoper braucht jährlich fünf Millionen Euro, um Defizite zu tilgen und für die Zeit während der Sanierung finanzielle Vorsorge zu treffen. Die anderen fünf Millionen werden in den Glanz des Hauses investiert: Künftig steht mehr Geld für die Ausstattung der Inszenierungen sowie für Gastsolisten zur Verfügung, in den Bereichen Technik, Kostüm und Spielbetrieb werden neue Stellen geschaffen, Chor und Orchester erhalten Gehaltssteigerungen. 

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