Berliner Opernstiftung : Schindhelm bleibt vorerst im Amt

Michael Schindhelm wird nun doch die drei Berliner Opernhäuser vorläufig weiter betreuen und Chef der Opernstiftung bleiben. Erst gestern hatte Schindhelm seinen Rückzug bekannt gegeben.

Berlin - Der Generaldirektor der Stiftung Oper in Berlin, Michael Schindhelm, bleibt bis zum 1. April 2007 im Amt. Schindhelm habe seine auf 10. November datierte sofortige Kündigung zurückgezogen, teilte der Stiftungsratsvorsitzende und scheidende Berliner Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei/PDS) nach der Stiftungsratssitzung mit. Bis zu seinem Ausscheiden werde sich Schindhelm vor allem der Fortentwicklung der Stiftung Oper und der Einarbeitung seines Stellvertreters in die Aufgabe des Generaldirektors widmen.

Der Stiftungsrat nahm den Angaben zufolge ferner zur Kenntnis, dass der Berliner Senat nicht mehr Geld für die Opernstiftung sowie keinen Landesanteil für die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden zur Verfügung stellt. Vor diesem Hintergrund unterstützt der Stiftungsrat die Bemühungen des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), die Bundesregierung für die Übernahme der Staatsoper zu gewinnen.

Mit Blick auf die geplante Neustrukturierung der drei Berliner Opern teilte der Stiftungsrat mit, Schindhelm solle sein bisheriges Konzept vertiefen. Kern des Entwurfs ist die Umbildung der Deutschen Oper vom Repertoire- zum Semi-Stagione-Betrieb. Auf der nächsten ordentlichen Sitzung am 29. November wollen sich dann der Stiftungsrat und der Vorstand detailliert mit dem Konzept und möglichen Alternativen befassen.

Klage über "Bossing"

Der Chef der Opernstiftung, der das Amt erst im April 2005 angetreten hatte, erhob schwere Vorwürfe gegen Wowereit. Dieser habe durch seine Äußerungen in den vergangenen Wochen die Stiftung und deren Generaldirektor in Frage gestellt. Wowereits Verhalten sei "Bossing", also Mobbing durch den Chef.

Der Regierungschef bewertete den Rückzug von Schindhelm als "persönliche Entscheidung". Diese müsse respektiert werden, sagte Wowereit, der künftig auch das Kulturressort in der Hauptstadt übernehmen soll. Damit ist er auch Vorsitzender des Stiftungsrates der Opernstiftung.

Schindhelm will Sparvorgabe korrigieren

Hintergrund des Konflikts zwischen Schindhelm und Wowereit ist, dass Schindhelm die Sparvorgabe des Senats für unrealistisch hält, wonach die Zuschüsse bis 2009 um 16,8 Millionen Euro sinken sollen. Schindhelm plädierte für eine zeitliche Streckung.

Der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, sagte, wenn ein so erfahrener Mann wie Schindhelm zurücktrete, zeige dies, wie schwierig die Situation sei. Zudem werde deutlich, dass sich die geplanten Kürzungen nicht so einfach realisieren ließen. Nun müsse abgewartet werden, ob und welche Konsequenzen das Land Berlin aus der Kündigung ziehe.

Bundestagsvizepräsidentin und Grünen-Kulturexpertin Katrin Göring-Eckardt sagte, der Rücktritt Schindhelms sei bedauerlich, "aber mehr als verständlich". Schindhelm habe die Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters gefehlt, "der offenbar nie ein echtes Interesse an einer Reform der Berliner Opernlandschaft hatte". Der FDP-Kulturpolitiker Hans-Joachim Otto kritisierte, Wowereit stehe bereits vor seiner Amtseinführung vor einem Scherbenhaufen. (tso/ddp)

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