Kultur : Berliner Philharmonie: Gut gegurrt

Frederik Hanssen

Wie treu sind Stammhörer "ihrem" Veranstalter? Gehen Menschen, die die Komische Oper lieben, auch in die Deutsche Oper, hören BSO-Abonnenten mal beim RIAS-Kammerchor rein? Die schütter besetzten Ränge beim Gastspiel des MDR in der Philharmonie ließen den Schluss zu, dass der Berliner Veranstalter Ottfried Laur in diesem Fall weder seine noch andere Zielgruppen wirklich aktivieren konnte. Laur gehört zu den großen Berliner Lieferanten der leichten Muse, der sein Geld mit Harlem Gospel Nights, Operettengalas und Karel Gott verdient. Solche Events wollen knallig beworben sein, und auch das Plakat für Haydns "Schöpfung" mit den Leipziger Musikern sah aus wie jene Laur-Produkte, die mit dem "Zauber des Barock" locken. Schade für alle, die sich von der Optik der Ankündigung abschrecken ließen, denn MDR-Chorchef Howard Arman befeuerte seine Sänger zu strahlendem Klang und das Orchester zu jener pulsierenden Leichtigkeit, die Haydn braucht. Schade auch für jene, denen das Projekt zu anspruchsvoll erschien, denn das Oratorium ist mit seinen neckischen Lautmalereien vom trommelnden Regen bis zur turtelnden Taube durchaus Klassik zum Entspannen und Genießen - vor allem mit solchen Solisten: Dorothee Jansen vertritt das Rokoko-Element des Werks, betört mit zierlicher Künstlichkeit. Kobie van Rensburg dagegen geht ganz opernhaft vor, hat für jede Silbe eine eigene Schattierung und veredelt so naive Verse zur spannenden Erzählung. Eike Wilm Schulte gibt einen Rezitator von staatsmännischer Statur, hat aber auch den charmanten Singspielton parat. Das Beste aber ist: Jedes Wort ist hier zu verstehen - einschließlich der Rezension in Kurzform: "Vom himmlischen Gewölbe strömt reine Harmonie."

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