Berliner Philharmonie : Marin Alsop dirigiert das Orquestra de São Paulo

Mit dem Orquestra Sinfônica do Estado de São Paulo stellt sich ein südamerikanisches Spitzenensemble in der Philharmonie vor. Dass hier präzise gearbeitet wird, zeigt Chefdirigentin Marin Alsop.

Benedikt von Bernstorff

Mit dem Orquestra Sinfônica do Estado de São Paulo stellt sich ein südamerikanisches Spitzenensemble in der Philharmonie vor. Auch wenn in Beethovens 4. Klavierkonzert und Prokofjews 5. Sinfonie der Klang etwas zum Monochromen tendiert und sich in den Soli nur selten eine wirklich individuelle Stimme vernehmen lässt, beeindrucken rhythmische Genauigkeit und blitzsaubere Intonation. Dass hier präzise Arbeit geleistet wird, hört man nicht nur, es lässt sich auch jederzeit an der Zeichengebung der Amerikanerin Marin Alsop erkennen, die seit 2012 Chefdirigentin des Orchesters ist.

Alsops Gestik ist expressiv und gleichzeitig einen Tick zu kontrolliert, ein eigentümlicher Fall von immer wieder ausgebremster Emphase. Lyrische Episoden schwingen nicht aus, weil sofort der nächste Abschnitt vorbereitet sein will. Manchmal macht das großen Effekt, etwa wenn sich im Prokofjew-Finale die Ereignisse überschlagen und die Musik am Ende in den Schlussakkord läuft wie in ein offenes Messer. Im ersten Satz dagegen weiß man vor lauter Kulminationspunkten oft nicht, was da eigentlich jeweils gerade kulminieren soll.

Da die Kraftentfaltung in den lauten Passagen beträchtlich ist, ein echtes Pianissimo aber kaum zustande kommt, lässt sich der langsame Satz des Klavierkonzerts als echtes Drama erleben. Dem massiven Klang des Kollektivs tritt hier beredsam der wunderzarte Anschlag des Pianisten Nelson Freire entgegen.

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