Berliner Philharmoniker : Spaß mit Haydn

Simon Rattle stellt mit den Berliner Philharmonikern ein kurzweiliges Pasticcio vor, das er aus Werken Joseph Haydns zusammengestellt hat - und die Pianistin Mitsuko Uchida bezaubert mit Mozarts B-Dur Klavierkonzert.

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„Joseph Haydn ist wie ein Eisberg“, erklärt Simon Rattle am Donnerstag in der Philharmonie, „was von ihm regelmäßig gespielt wird, sind nur die oberen fünf Prozent.“ Der Brite allerdings arbeitet schon lange daran, seine Begeisterung für den Komponisten an Musiker und Publikum weiterzugeben. Gemeinsam mit Markus Fein, dem kurzfristigen Dramaturgen der Philharmoniker und jetzigen Intendanten der Festspiele Mecklenburg- Vorpommern, hat er ein Haydn-Pasticcio erstellt, eine „imaginäre Sinfonie“ in zehn Sätzen, die den Klassiker als hintersinnigen Tonsatztüftler und experimentierfreudigen Klangmaler zeigt.

Neugier und Humor nämlich sind die Charaktereigenschaften, die Haydn zum Seelenbruder Rattles machen. Das einstündige, höchst kurzweilige Arrangement reiht also einen Überraschungseffekt an den anderen: Das „Chaos“ aus der „Schöpfung“ darf ebenso wenig fehlen wie das „Erdbeben“ aus den „Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuze“ oder das Finale aus der „Abschiedssinfonie“, bei dem die Musiker nach und nach die Bühne verlassen. In der Sinfonie Nr. 60 wird der Beginn des Prestissimo von den Philharmoniker partiturgetreu vergeigt, damit Konzertmeister Daishin Kashimoto aufspringen und „Das klingt ja ganz scheußlich“ rufen kann. Am interessantesten aber ist das Largo aus der 64. Sinfonie. Hier lässt Haydn seine Melodien ständig abbrechen, verweigert konventionelle harmonische Schlussformeln, um lieber immer wieder neu anzusetzen: ein brillantes Spiel mit den Erwartungshaltungen der Hörer.

Aufs Beglückendste hat zuvor Mitsuko Uchida die Hoffnung des Publikums erfüllt: Wenn sie Mozarts B-Dur Klavierkonzert KV 456 spielt, ist sofort spürbar, wie sehr sie sich diese Musik anverwandelt hat: Ton für Ton erklingt glasklar – und fügt sich doch zum organischen Ganzen. Rattle und die Philharmoniker begleiten ihre Künstlerfreundin mit maximaler klangrhetorischer Raffinesse.

Als inspirierende Dreingabe folgen die „Oiseaux exotiques“ von Olivier Messiaen, eine aus Vogelstimmen und archaischen Rhythmen brillant gemachte Bürgerschreckmusik von 1955. Mit diesem Werk hat Mitsuko Uchida bei den Philharmonikern debütiert – tatsächlich schon vor 30 Jahren!

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