Kultur : Berliner Podewil: Unter Topfpflanzen

Sandra Luzina

Antony Rizzi wollte sich für seine einstündige Performance auf das Wesentliche beschränken: "Ich, meine Mutter und House-Musik". Doch die Performance "Snowman Sinking", mit der das kleine Festival "Körperstimmen" im Podewil zu Ende ging, bietet mehr und weniger. Der Amerikaner nimmt seine schwarze Brille den ganzen Abend nicht ab. Vor allem erzählt er, an der Rampe hockend, in direktem Kontakt mit dem Publikum, plaudert und scherzt. "Dies ist der Moment im Stück, wo ich über das Stück spreche", verkündigt Rizzi nach kurzer Zeit. Zuvor hat er von Eigenarten der japanischen Kultur berichtet, von toxischen Make-Ups und von Pixel-Pornos, wo die Geschlechtsteille durch die Bildauflösung unkenntlich gemacht weden. Mit partieller Unschärfe arbeitet auch das Video.Viele Männer ziehen sich da vor der Kamera aus und werden eben im enscheidenden Moment "unscharf". Später treten die Stripper dann noch mal als Tänzer auf. Als trauriger Schneemann im Flauschkostüm macht Rizzi es sich gemütlich vor dem Video, schaut Ausschnitte aus amerikanischen Schmachtfetzen an. Sein Faible für Kitsch und Melodram wird in Schach gehalten durch seine Ironie. Vor Rührung sinkt er auf den grünen Wolltepich und die aufgereihten Topfpflanzen. Ein beschwingtes Tänzchen mit der Mutter gibt ihm wieder Lebensfreude. Verna Rizzi tritt im roten Dufflecoat auf. Sie muss uns die schmerzliche Erkenntnis unterbreiten, dass Weihnachtsmann und Osterhase nicht existieren. Weil Verna an seiner Seite ist, darf Antony auch Kind sein. Rizzi demonstriert mit schöner Leichtigkeit, wie man die Balance zwischen Privatem und Öffentlichen, zwischen Gefühl und Ironie, Komik und Ernst hält.

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