Kultur : Berliner Staatsoper: Der Kandidat

Dass etwas geschehen musste, lag in der Luft. Die Schwalben flogen tief, rabenschwarze Gewitterwände umstellten die Hauptstadt. Dann, der Paukenschlag. Peter Mussbach soll Nachfolger von Georg Quander und somit ab 2002 neuer Intendant der Berliner Staatsoper werden. Eine Nachricht wie ferner Donnerhall. Adrienne Goehler und Daniel Barenboim hätten sich darauf verständigt, mit Mussbach in Verhandlungen zu treten. Das klingt seriös. Das klingt zumindest so, als würde Barenboim Mussbach wollen, und als würde Mussbach auch tatsächlich selber wollen. Die Opernwelt atmet auf. Endlich: die üblichen Schreckgespenster gebannt (in Gestalt eines notdürftig verlängerten Quander oder, noch ärger, eines Ex-Kultursenators Stölzl). Endlich: eine reelle Möglichkeit. Angesichts ihrer akuten Rückstände in Planung und dramaturgischem Profil käme die Lindenoper noch einmal mit zwei blauen Augen davon.

Die Entscheidung für Mussbach lag durchaus auf der Hand. Einerseits fiel sein Name bereits vor einem Jahr, als Barenboim Berlin noch zu verlassen drohte und DSO-Chef Kent Nagano - unter der Hand - als Nachfolger ins Spiel rückte. Und andererseits gilt das Multitalent Mussbach - seines Zeichens studierter Musikologe, Germanist, Philosoph, Jurist und Mediziner sowie praktizierender Librettist, Bühnenbildner und Regisseur - in der Branche als "renommiert". Allein, die frühen Arbeiten des heute 52-Jährigen zwischen Frankfurt, Brüssel und Hamburg festigten einen Ruf, den seine neueren Regie-Taten allesamt nicht bestätigen können. Weder der Münchner "Fidelio" noch sein Berliner "Macbeth" vom vergangenen Jahr noch Schostakowitschs "Lady Macbeth" jüngst bei den Salzburger Festspielen (siehe Tagesspiegel vom 2. August) vermochten irgend zu überzeugen. Repräsentative Staatstheaterkost.

Aber das macht ja (fast) nichts - und Barenboim wird es recht sein. Intendanten müssen keine begnadeten Regie-Berserker sein. Intendanten sind Väter, Manager, Förderer, Entdecker. Am 21. Oktober übrigens inszeniert Peter Mussbach Unter den Linden Franz Schrekers "Fernen Klang". Hingehen, anschauen, Frau Goehler!

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