Kultur : Berliner Staatsoper: Triumph ist Trumpf

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Vielleicht ist man nach zehn Jahren Quander/Barenboim ja ganz zufrieden damit, bei schönstem Sonnenschein in die gruftige Staatsopern-Konditorei gelotst zu werden, um dort nicht einmal ein Mineralwässerchen gereicht zu bekommen. Vermutlich würden wir uns auch gar nicht darüber alterieren, wenn das, was Georg Quander und Daniel Barenboim im Blick auf die Spielzeit 2001/02 zu verkünden hatten, ein klein wenig passionierter ausgefallen wäre. Denn wer, wenn nicht sie, müsste jubilieren - über zwei Wagner- und einen Mozart-Da-Ponte-Zyklus etwa, über die nunmehr dritte "Bohème" der Stadt (Premiere am 16. 12. , Philippe Jordan dirigiert, die Australierin Lindy Hume inszeniert) oder darüber, dass es im Ballett schon reicht, zwischen so genannten Handlungsballetten ("Romeo und Julia" am 18. 1. 02) und zeitgenössischem Tanz ("American Way of Dancing" am 2. 9. ) zu unterscheiden, um von einem "dramaturgischen Konzept" zu sprechen?! Selbst die Pfunde, mit denen Quander hätte wuchern können, wirkten seltsam kümmerlich: Die vorläufig wiederbelebte Alte-Musik-Schiene (mit Haydns "Il mondo della luna" am 7. 2. 02 und einer Wiederaufnahme von "La Calisto", beide unter René Jacobs) wie die Saison-Eröffnung am 21. 10. mit Schrekers "Der ferne Klang" (Regie: Peter Mussbach, Dirigat: Michael Gielen), einer echten Berliner Rarität, immerhin.

Auf alle übrigen Fragen gab es keine Antworten: Die des Bundes etwa, oder wie sich Alberto Vilars Finanz-Engagement konkret auswirken werde, oder warum Daniel Barenboim mit der Staatskapelle partout Brahms spielen muss. Das Duo Quander/Barenboim jedenfalls, dessen Verträge im Sommer 2002 auslaufen, besitzt einen Planungsauftrag für 2002/03. Der Rest waren (gute) Zahlen und viel Eigenlob für das demnächst vergangene Jahrzehnt.

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