Kultur : Berliner Theatertreffen: So viele Gesichter in einem Kopf

P.v.B.

Nun also wird es ernst. Und feierlich, festlich, wunderbar. Denn ab heute gastiert Ibsens "Rosmersholm" in Peter Zadeks Wiener Inszenierung beim Berliner Theatertreffen. Mit Gert Voss, Angela Winkler und dem gleichfalls fabelhaften Peter Fitz in den Hauptrollen. Die Aufführung, mit Akteuren, welche den Berliner Ensembles so sehr fehlen, ist das erste der drei absoluten Glanzlichter, die das Wiener Burgtheater dem Berliner Festival aufsteckt. Es folgen dann noch die beiden Luc-Bondy-Inszenierungen: Yasmina Rezas "Drei Mal Leben" und Tschechows "Möwe" (wiederum mit Gert Voss sowie mit Jutta Lampe).

"Rosmersholm", 1887 uraufgeführt, verspinnt alle denkbaren Ibsen-Motive zu einem dicken Knoten: Familienfluch, Lebenslügen, Hexenspuk, zu späte Liebe, verdrängte Sehnsüchte, Bigotterie, politische Intrigen und der Toten Erwachen mitsamt dem finalen, dem tödlichen Sühneopfer. So viele verworrene Vorgeschichten müssen da nacherzählt werden und lasten auf den Menschen, doch Zadek und seine Spieler haben den düsteren Text mit psychologischer Delikatesse von innen erhellt. Und nicht, wie es die Dekonstrukteure des ergrauten Regiebubitheaters gemacht hätten, nur von außen angeleuchtet, angepinkelt, ausgelacht. Ibsens Schwerkraft wirkt in Zadeks Aufführung, die letzten Herbst im Wiener Akademietheater Premiere hatte, beinahe schwerelos - das ist der schauspielerische und inszenatorische Triumph.

An diesem Samstag feiert der 1926 in Berlin geborene Peter Zadek in Wien nun seinen 75. Geburtstag. Dazu wollen ihn Weggefährten aus vielen Jahren auf der Bühne des Akademietheaters mit Überraschungen ehren. Zur Theatertreffen-Premiere heute Abend, als kleine Ouvertüre, haben wir hier Zadeks Lieblingsschauspielern drei Fragen gestellt.

1. Was ist das Schönste für Sie in Wien?

2. Was würde Sie verlocken, wieder in Berlin zu spielen?

3. Was bedeutet Ihnen Peter Zadek, der diese Woche 75 wird und mit dem Sie auch durch legendäre Shakespare- und Tschechow-Aufführungen verbunden sind?

Gert Voss:

1. Stücke, Regisseure und Schauspieler, die mir wichtig sind - und die Neugier und Begeisterung der Zuschauer.

2. Eben das selbe.

3. Der Regisseur, von dem ich und alle Theatermenschen lernen können, weil er der kühnste und weiseste Menschenerforscher und Menschenerfinder ist. Nie ironisiert er, um sich und seine Schauspieler zu retten vor der Peinlichkeit jeder Wahrheit: ob sie nun Liebe, Hass oder Tod heißt. Keine seiner Arbeiten gleicht der anderen. Jede könnte von einem anderen unverwechselbaren Regisseur sein.

Wer macht ihm das nach?

Angela Winkler:

1. Dass ich mit Kollegen, die ich sehr schätze, Theater spielen kann.

2. Gute Kollegen und gute Regisseure.

3. Dass er noch lange lebt und den Sprung wieder nach Berlin schafft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben