Berliner Ufer (3) : Die Panke ist hässlich, hat aber Charakter

Die Südpanke in Berlin-Mitte ist ein lichtscheuer Fluss, der schon 1830 ein Imageproblem hatte. Den besten Ruf hat er bis heute nicht, aber er ist Teil vieler Anekdoten.

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Offener Lauf: der Südpanke-Park hinter dem BND-Neubau
Offener Lauf: der Südpanke-Park hinter dem BND-NeubauFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Volksmund weiß Bescheid: „Am Schiffbauadamm Numma zwee, da fließt de Panke in de Spree.“ Das war in Berlin mal ein geflügeltes Wort. Heute hört man das nicht mehr so oft. Da fristet die Panke ein ziemliches Stiefkinddasein (außer in Pankow natürlich), als ewige Nummer drei im Beliebtheits-Ranking der Berliner Flüsse, verbannt hinter Spree und Havel. Die Zeiten, als sie aufgrund ihrer stürmischen Natur Schlagzeilen machte und Dichtergemüter in Wallung versetzte, sind auch lange passé. „Von Donau, Rhein, Nil und Euphrat ist gar nicht mehr zu reden“, schrieb 1830 ein erschütterter Carl-Friedrich Zelter unter Hochwassereindruck an seinen Freund Goethe, „unsere Panke, worin die Frösche nach Wasser schreien, ist ausgetreten, hat Häuser und Scheunen weggerissen, die Posten aufgehalten, und wer weiß, was wir noch alles erfahren!“

Ihr Imageproblem ist die Panke nie wirklich losgeworden. Marlene Dietrich mochte dort nicht mal Angeln gehen, wie sie in einem eigens getexteten Lied kundtat: „In Halensee, in Schlachtensee, und an der Oberspree. Auch an der Krummen Lanke, doch niemals an der Panke. Sonst fängst im Nu ’nen Spickaal du und einen alten Schuh. Und hast du Glück, dann fängst du noch ’nen Mann dazu.“ Dabei ist die Panke – jedenfalls der kleine Teil ihrer insgesamt 27 Kilometer, der als Südpanke oder Stadtpanke durch Mitte fließt – ein durch und durch berlinischer Fluss. Hässlich, aber voller Geschichten. Ausgesprochen lichtscheu. Und gern in der Nähe der Kunst und der Macht.

Sommerserie "Berliner Ufer": Die Panke
27 Kilometer ist sie lang und fließt von Barnim in Bernau bis in die Mündung der Spree: die Panke. Ein Fluss mit einem Imageproblem.Alle Bilder anzeigen
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01.08.2016 08:3827 Kilometer ist sie lang und fließt von Barnim in Bernau bis in die Mündung der Spree: die Panke. Ein Fluss mit einem...

Je nachdem, welchen Etymologen man fragt, geht der Name der Panke auf das polabische Wort Pak („Knospe“) zurück, oder leitet sich von Pankowe ab, was soviel wie strudelnder Fluss bedeutet. Beides leuchtet nicht wirklich ein, wenn man am Schiffbauerdamm steht, das Berliner Ensemble im Rücken, und das dünne Etwas betrachtet, das aus der maroden Ufermauer hinter einer Spundwand in die Spree plätschert. Als Folge des Mauerbaus floss hier lange nicht mal „echtes“ Pankewasser.

Wer dem Lauf des Flüsschens nach Norden folgen will, dorthin, wo die Südpanke ihre Mutter trifft, der braucht Google Maps oder eine Wünschelrute. Die Panke ist hier verrohrt, wie der Fachmann sagt. Zuletzt lag sie an dieser Stelle 1879 frei, bis die Markthalle gegenüber dem Berliner Ensemble dem Circus Renz wich. Der verdrängte die Panke unter die Erde, weil er Raum brauchte mit seinen 5000 Plätzen. Genau wie das „Große Schauspielhaus“, das an gleicher Stelle 1919 nach Plänen des Architekten Hans Poelzig entstand – heute die Adresse „Am Zirkus 1“. Ein sagenhafter expressionistischer Bau muss das gewesen sein. Von außen eine Mischung aus Breughels Turm zu Babel und Fritz Langs Metropolis-Architektur, innen ein gigantisches Stuckdeckengewölbe mit herabhängenden Zapfen, liebevoll „Tropfsteinhöhle“ getauft. Der erste Intendant Max Reinhardt erfüllte sich hier mit der „Orestie“ zur Eröffnung seinen Traum von einem „Riesenvolkstheater“. Später fand der Bau seine Bestimmung als Revuetheater und wurde 1947 der erste Friedrichstadtpalast. Kunst auf der Panke.

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