• Berliner Wahlkampf: Mit Trotz - Warum Berlins Christdemokraten weiter hinter Frank Steffel stehen

Kultur : Berliner Wahlkampf: Mit Trotz - Warum Berlins Christdemokraten weiter hinter Frank Steffel stehen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Wir fühlen uns ganz prima", sagt der Berliner CDU-Landesgeschäftsführer Matthias Wambach. Seinen bodenständigen Humor hat er sich auch in den vergangenen, für die Union so schwierigen Monaten bewahrt. Aber in der Stimme schwingt Trotz mit. Der Ton ist freundlich-patzig, so wie die Frage auf dem neuen Großplakat, das den Spitzenkandidaten der Berliner CDU, Frank Steffel, zeigt: "Oder sind Ihnen Politiker lieber, die zu allem Ja sagen?" Ein eigenwilliger junger Mann, der sich nicht verbiegen lässt; der sagt, was nicht jedem passt.

So wird Steffel jetzt von den christdemokratischen PR-Strategen verkauft. Aus der Not wird eine Tugend gemacht. Zwar muckte in der Runde der CDU-Kreisvorsitzenden am Freitag niemand auf, aber einige Spitzenfunktionäre der Partei machen intern keinen Hehl daraus, dass sie Probleme mit Steffels Auftritten haben. Wer einmal in den Fettnapf tritt...

Halb dementiert, halb bestätigt

Das Wegducken hinter Edmund Stoiber, als auf dem Alexanderplatz Eier flogen. Der Ausrutscher beim Urlaub in Bayern, als er München als schönste Stadt Deutschlands lobte. Und nun eiert Steffel herum, konfrontiert mit ausländer- und behindertenfeindlichen Sprüchen aus seiner Schülerzeit. Dementiert halb, bestätigt halb, schafft die alte Sache nicht souverän aus der Welt.

"Ihm fehlt die Erfahrung, er steht stark unter Druck und ist unsicher geworden", sagt ein CDU-Vorstandsmitglied. Dass es so schwierig ist, eine Oppositionspartei erfolgreich durch den Wahlkampf zu führen, habe Steffel nicht erwartet. Trotzdem steht die Partei hinter ihrem 35-jährigen Spitzenmann, sie hätte auch keine personelle Alternative, und die Pferde wechselt man nicht im Galopp. Anfang September beginnt die heiße Wahlkampfphase. Das Ziel ist klar abgesteckt. Die CDU will bei der Abgeordnetenhauswahl am 21. Oktober vor der SPD stärkste Partei bleiben. Auch ohne Eberhard Diepgen, der fünf Wahlkämpfe gewann, jetzt aber nur noch CDU-Landesvorsitzender auf Abruf ist.

Dreimal kam die CDU mit Diepgen über 40 Prozent, zweimal über 35 Prozent der Stimmen. Seit Juni dieses Jahres dümpeln die Christdemokraten, nach der Parteispenden- und Bankenaffäre, bei allen Meinungsumfragen an der 30-Prozentmarke. Wird sie bei den Wahlen vielleicht sogar leicht überschritten, ginge ein Aufatmen durch die Union. "Illusionen machen wir uns nicht, aber es gibt doch eine gewisse Chance, nach der Wahl wieder regieren zu können", macht Peter Kittelmann den eigenen Leuten Mut. "Vielleicht mit einer bürgerlichen Mehrheit", sagt der Ex-Bundestags- und Europaabgeordnete und hat die FDP als Koalitionspartner im Auge.

Klammheimlich erhoffen sich viele CDU-Mitglieder einen Sinneswandel der Sozialdemokraten nach den Wahlen. Sie hoffen auf den Widerstand der SPD-Basis gegen eine Mitregierung der PDS und auf eine neue Große Koalition. Die Wahlkampfmanager der Union setzen darauf, dass der Regierende Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat so unscheinbar weiterregiert wie in den vergangenen Wochen. Ohne politische Akzente zu setzen, die die SPD für schwankende Wähler zusätzlich attraktiv machen könnten.

An die eigene Nase fassen

Noch gibt es kein tragendes Wahlkampfthema. Da müsse sich die CDU auch an die eigene Nase fassen, weist der Junge-Union-Landeschef Kai Wegner auf eigene Versäumnisse hin. Jetzt müssten "die politischen Inhalte" in den Vordergrund gerückt werden. "Die Leute wollen keine Schlammschlachten, keinen Krieg", warnt auch der junge CDU-Abgeordnete Mario Czaja aus Hellersdorf. "Die wollen wissen, was ihnen die Parteien zu bieten haben, die orientieren sich an den lokalpolitischen Themen."

Nun denn - am 8. September läuten die Christdemokraten mit einem "Fest für Berlin" im Palais am Funkturm den offiziellen Wahlkampf ein, den die Bundespartei massiv unterstützen wird. Bis dahin soll ein umfangreiches Wahlprogramm verabschiedet werden. "Wir wollen die SPD in der Sache stellen", kündigt CDU-Sprecher Wambach an. Das werde kein "Spaß-Wahlkampf", aber auch nicht nur ein Kampf gegen SPD/PDS. Fest steht: Die Union will kämpfen. "Wir geben uns nicht auf", sagt die Parteiführung.

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