Kultur : Berliner Zimmer: Heute: Der Sicherungskasten.

Wir schauen in Wohnungen hinein,staunen: Es si

Wir schauen in Wohnungen hinein und staunen: Es sind oft die kleinen Ideen, die das Besondere ausmachen.

Von der Schöneberger Hauptstraße sind es nur ein paar Schritte bis in einen eigenwilligen Olymp. Dort versammeln sich auf kleinstem Raum Gottheiten verschiedener Religionen. Dass sie ein so harmonisches Nebeneinander fristen, ist dem Besitzer dieses Refugiums zu verdanken, einem Poet mit Phantasie, der die religiösen Herrschaften eigentlich mehr aus schrullig-individuellen Gründen bei sich versammelt. Dass er dem pummeligen Buddha einen eigenen Schrein zugesteht, könnte mit seiner Friedfertigkeit zu tun haben. Oder mit dem schönen Glanz, den die Statue im warmen Kerzenschein entwickelt. Der ausgediente Sicherungskasten, in dem die Stränge der Stromversorgung für die große Altbauwohnung früher zusammenliefen, ist zu einem Herrgottswinkel in den Zeiten des Multikulturalismus geworden. Kein Gekreuzigter, sondern die heiter perlengeschmückte Buddhafigur begrüßt die Besucher. Der Duft bengalischer Räucherstäbchen zieht sich indes durch alle Zimmer.

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