Kultur : "Berliner Zimmer": Zeig mir deine Wohnung, und ich sag dir, wer du bist

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Das Berliner Zimmer, der Stolz der Stadt, ist eine Notlösung. Das dunkle Durchgangszimmer ist das architektonische Knie jeder Altbauwohnung, zerrissen zwischen Pracht und dunklem Hof. Kein ungeliebtes Kind jedoch, im Gegenteil: wie viele andere Notlösungen in der Stadt gefällt auch diese den Berlinern besonders gut.

"Man wird freundlich empfangen", sagt Natascha Meuser, die sich zur Aufgabe gemacht hat, den Mythos abzubilden. Seit Monaten ist die Architektin dem wahren Berliner Zimmer auf der Spür, nämlich dem, in dem der Berliner wirklich wohnt. Mit dem Fotografen Erik-Jan Ouwerkerk überrascht sie Bekannte, besucht Fremde, dringt in Plattenbauten ein, sucht die Nische. "Man findet in jeder Wohnung eine schöne Ecke." So ist eine Reihe aus dem Innenleben der Stadt entstanden, die der Tagesspiegel immer auf dieser Seite als sonntägliche Kolumne abbildet und die nun als Ausstellung zu sehen ist. Wer wo wohnt, möchte Meuser nicht verraten. Nur soviel: Die heutigen drei Berliner Zimmer bewohnen ein Event-Stylist aus Schöneberg, ein Architekt aus dem Wedding und ein Charlottenburger Kunsthandwerker. Ordnen Sie selbst zu!

"Wir fotografieren es, wie wir es vorfinden", sagt Meuser. Nicht Normatives à la "Schöner Wohnen" oder "Architectural Digest", sondern Abbildung der Freiheit, sich einzurichten, wie man will. "Es gibt heute keinen Wohntrend mehr. Alles ist kunterbunt gemischt", lautet das empirische Ergebnis des Meuser/Ouwerkerk-Projekts. Doch ganz frei von ästhetischer Moral ist die Serie nicht: "Wir wollen nicht belehren, sondern inspirieren." Damit die Zimmer in Berlin keine Notlösungen sein müssen (Auflösung unseres Bilderrätsels, von links nach rechts: Schöneberg, Wedding, Charlottenburg).

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