Kultur : Berlinische Galerie: Auf Fischzug

NK

"Die Frage lautet doch ganz einfach: Will man die Chance nutzen?", bringt es Annette Fugmann-Heesing, die neue Vorsitzende des Fördervereins Berlinische Galerie, auf den Punkt. Dennoch fällt die Antwort schwer, denn vor eine besonders glanzvolle Wiedereröffnung des Landesmuseums für moderne Kunst, Fotografie und Architektur in der ehemaligen Kreuzberger Schultheiss-Brauerei hat der Kultursenator die Klärung der Bewirtschaftungskosten gestellt. Noch ist nicht klar, ob er dafür 600 000 Mark im Jahr garantieren kann. Nur unter dieser Bedingung macht sich der Förderverein auf die Suche nach den privaten Geldgebern, die der Berlinischen Galerie den erweiterten Ausbau der Gewölbehallen für zusätzliche 30 Millionen Mark finanzieren sollen.

Dass dieser Fischzug gelingen wird, daran hegt die ehemalige Berliner Finanzsenatorin keinen Zweifel, zumal ihr seit vergangener Woche zwei zusätzliche Vorstandsmitglieder zur Seite stehen, die sich gestern bei einer Pressekonferenz erstmals präsentierten: Roland Specker, der schon die Reichstagsverhüllung organisierte und an der Verlegung des Tempodroms maßgeblich beteiligt ist, sowie der Präsident der Industrie- und Handelskammer Werner Gegenbauer. Beides Männer der Wirtschaft, die "überzeugender wirken, wenn sie mit Kollegen sprechen", wie es der Direktor der Berlinischen Galerie, Jörn Merkert, formulierte.

Ihre Strategie wollten sie dennoch nicht verraten, da der Kultursenator sonst der Idee verfallen könnte, dass von dem rührigen Förderverein die Betriebskosten gleich mit akquiriert werden könnten. Unterstützung für die so genannte große Lösung dürfte die Berlinische Galerie nicht zuletzt bei den Investoren des Kreuzberger Viktoria Quartiers finden, die damit die Attraktivität ihres Standorts deutlich steigern können. Damit geht die Berlinische Galerie neue Wege des public private partnership. Bleibt zu hoffen, dass der public part nicht zu knapp ausfällt. Denn was passiert, wenn die Häuser stehen, aber die laufenden Kosten nicht mehr bezahlt werden können, ist mittlerweile an vielen Museen zu studieren.

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