Kultur : Berlinische Galerie: Die Kunst des Wanderns

NK

Ein neues Kapitel in der nun schon Jahre währenden Umzugsgeschichte der Berlinischen Galerie: Nach Informationen von Bündnis 90/Die Grünen wird in der Kulturverwaltung an Plänen gearbeitet, die Berlinische Galerie in das "Kinderkaufhaus" in der Leipziger Straße und nicht mehr in der ehemaligen Schultheiss-Brauerei in der Kreuzberger Methfesselstraße unterzubringen. Grund für diese Änderung seien die gestiegenen Kosten und die technischen Probleme beim Ausbau der ehemaligen Kellergewölbe, deren Trockenlegung sehr viel teurer werden dürfte, als der geplante Kostenrahmen von 30 Millionen Mark vorsieht.

Empört verlangt die kulturpolitische Sprecherin Alice Ströver eine Stellungnahme des Kultursenators, da bei Infragestellung des Kreuzberger Standorts für die Berlinische Galerie die Veräußerung des Studentendorfs Schlachtensee für 23 Millionen Mark gestoppt werden müsse, das damals zur Finanzierung des Projekts in der Methfesselstraße gedient hatte. Die Senatsverwaltung reagierte prompt und faxte keine drei Stunden später eine Gegendarstellung. Danach wird auf Bitten des Senators lediglich geprüft, ob sich das Kinderkaufhaus als Kunsthalle und entsprechend als Interimslösung für die Berlinische Galerie eigne.

Doch man ahnt es bereits: Sollte die Berlinische Galerie vorübergehend in die Leipziger Straße ziehen, könnte sich dies als dauerhafte Lösung erweisen, wenn der Standort Schultheiss-Brauerei zu große Probleme bereitet. Zwar bietet sich nach Prüfung der Kulturverwaltung das Kinderkaufhaus mit seinen für Ausstellungszwecke geeigneten 3000 Quadratmetern an, doch wären die Betriebskosten mit 400 000 Mark im Monat für einen freien Träger kaum bezahlbar. Da die Berlinische Galerie bereits über entsprechendes Personal verfüge, müsse sie nur 20 000 Mark erwirtschaften, lautet die Rechnung der Kulturverwaltung. Wer auch immer der künftige Nutzer des Kinderkaufhauses sein wird: Zumindest ist es ein positives Zeichen, dass sich die Kulturverwaltung offensichtlich über eine Kunsthalle Gedanken macht, die seit Schließung der Ausstellungsräume in der Budapester Straße vor sieben Jahren von Kunstvereinen und -verbänden der Stadt gefordert wird.

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