Kultur : Berlins Akropolis gehört zum Weltkulturerbe - Feierstunde im Alten Museum

Die bronzenen Jünglinge, welche derzeit in der noblen Rotunde des Alten Museums von der Antikensammlung in einer Sonderausstellung zusammengestellt sind, sahen mit Gunst auf die versammelten edel gewandete Menge herab: Ihr Haus, und die Museumsinsel insgesamt, wurde unter den Schutz der Unesco gestellt. Und damit, wie ihr Generalsekretär Koichiro Matsuura, wurden die in den hundert Jahren zwischen 1830 und 1930 nach Plänen von Schinkel, Stüler, Strack, Ihne, Messel und Hoffmann entstandenen fünf Museumsgebäude, zum Genossen der Pyramiden, der großen Mauer, des Grand Canyon - und der mythischen Stammmutter "Lucy", deren fossilierte Knochen in Berlin hat am Freitag die Aufnahme der Museumsinsel als "Berlinische Akropolis" in die Unesco-Welterbeliste gefeiert. Damit wurde das Ensemble von Museumsbauten gewürdigt, "das die Entwicklung modernen Museums-Designs über mehr als ein Jahrhundert illustriert". Der neue Unesco-Generaldirektor, der Japaner Koichiro Matsuura, sprach von einer Perle Berlins, die er in eine Reihe mit den ägyptischen Pyramiden, dem Grand Canyon in den USA, dem italienischen Pompeji, der griechischen Akropolis und der Chinesischen Mauer stellte.

Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) nahm die Unesco-Urkunde in der Rotunde des Alten Museums mit Stolz und Dankbarkeit entgegen und verkündete dabei das ehrgeizige Ziel, den Aus- und Wiederaufbau des Museumskomplexes innerhalb von zehn Jahren zu erreichen. Zur finanziellen Unterstützung des Zwei-Milliarden-Mark-Projektes regte er die Prägung einer 20-Mark-Sondermünze an. Auch müssten die finanziellen Anstrengungen Berlins und des Bundes schon in diesem Jahr erheblich verstärkt werden, sagte Diepgen. Beide dürften trotz der erheblichen Belastungen durch die Wiedervereinigung bei dieser Jahrhundertaufgabe "nicht mit spitzem Bleistift rechnen". Die Museumsinsel sei ein Gesamtkunstwerk und ein würdiges Erbe der Weltkultur. Die Unesco-Urkunde sei Ansporn, "im Geist und mit der Energie der Vorväter die Museumsinsel und ihr Umfeld in einen Zustand zu versetzen und zu erhalten, der der europäischen kulturellen Bedeutung entspricht".

Der Unesco-Generaldirektor gratulierte Berlin zu seinen Anstrengungen, die Museumsinsel für künftige Generationen zu bewahren. Diese Ansammlung bedeutender Museen sei auch ein außerordentliches Beispiel für Kunstmuseen als sozialer Faktor, wie er sich bereits in den Ideen der Französischen Revolution widerspiegele. Die Museumsinsel sei aber auch ein Kulturdenkmal von weltweiter Bedeutung, betonte Matsuura. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch Park und Schloss Sanssouci. Das Potsdamer Weltkulturerbe, das für Sonnabend auf dem Besuchsprogramm des Unesco-Generaldirektors steht, sei vom Projekt eines Shopping-Centers bedroht gewesen, weil es die alten Sichtachsen beeinträchtigt hätte. Es habe aber noch rechtzeitig Veränderungen gegeben, ähnlich wie zuletzt bei Projekten am ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, den Pyramiden von Gizeh, den Galapagos-Inseln und im griechischen Delphi. Weltweit seien Stätten des Weltkulturerbes mehr und mehr bedroht durch Beschädigungen, Zerstörungen oder gewaltsame Unruhen. "Sie müssen aber geschützt werden als Zeugnisse unserer Vergangenheit und unserer Zivilisation."

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