Kultur : Berlins Herbst-Highlights: Festwochen und "Theaterwelten"

F.H./soh

Ohne Glamour, aber mit viel Substanz will Ulrich Eckhardt die 50. Berliner Festwochen feiern, die zugleich seine letzten sind. Der Festspielchef nutzte die vorletzte Programm-Pressekonferenz seiner 28-jährigen Amtszeit, um mächtig für das ambitionierte Programm zu trommeln. Denn die vier September-Wochen präsentieren diesmal pures Kassengift: die Musik des 20. Jahrhunderts. In 84 Porträtkonzerten sollen die Zuhörer den "Jahrhundertklang" noch einmal Revue passieren lassen. Die Auswahl der Komponisten durch Eckhardt und Dirk Nabering spiegelt persönliche Vorlieben: "Eine konsensfähige Liste hat uns nicht interessiert." Wenig Neugier zeigt das Berliner Philharmonische Orchester: mit Strawinski und Strauss (Dirigent: Abbado), Janácek (Rattle), Ravel (Dutoit) und Bartók (Jansons) setzt man auf längst durchgesetzte Namen.

Wagnisse bleiben anderen überlassen, zumeist den exquisiten Kammermusikformationen, aber auch der Truppe des Mariinsky-Theaters (Gubaidulinas Johannes-Passion), den Wiener Philharmonikern (Messianes Turangalia-Sinfonie) oder dem DSO (Stockhausen, dirigiert von Nagano). Den Auftakt machen, wie 1999 auch, Luigi Nono - mit einer vom Hauptstadtkulturfonds finanzierten kompletten Aufführung des "Prometeo" (Ensemble Modern) und Mahler (9. Sinfonie mit Kurt Masur und dem London Philharmonic Orchestra). Neben dem kostenlosen Journal gibt es erstmals eine Informationsmappe mit Biografien aller 84 Komponisten zum Preis von fünf Mark.

Das internationale Festival "Theaterwelten" beginnt am 29. September und geht bis 29. Oktober. Dieses Jahr wurde noch für das ungeliebte Schiller-Theater geplant. Francesca Spinazzi, die Leiterin der "Theaterwelten", begrüßte aber den baldigen Umzug des Festivals in die Freie Volksbühne. Die internationale Ausrichtung des Festivals versteht sie als Stellungnahme gegen den kulturellen Eurozentrismus. Die sechs Theater- und vier Tanz-Theater-Aufführungen kommen von vier Kontinenten: Neben Arbeiten von Peter Brook, Robert Lepage und William Forsythe mit dem Frankfurter Ballett sind es Produktionen aus Frankreich, Chile, Großbritannien, Israel, Taiwan, Indien und Schweden, bei denen Spinazzi "Blitzschläge ins Herz" verspürte. Das Publikum vorab zu elektrisieren, war ihr gestern nicht vergönnt: Ulrich Eckhardt drängte, verwies auf eine spätere Präsentation und bewarb lieber noch die Ausstellung "Berliner Ring 2000" mit Fotografien von Elke Nord, die ab 20. September im Willy-Brandt-Haus stattfindet. Sie dokumentiert den Wandel Berlins im vergangenen Jahrzehnt.

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