Kultur : Berlins Kultursenator Peter Radunski will mal wieder aufmachen

Frederik Hanssen

Das ist die Berliner Luft, Luft, Luftnummer: Kultursenator Peter Radunski hat gestern mal wieder die bevorstehende Wiedereröffnung des Metropol-Theaters angekündigt. Es war das 17. Mal seit dem Konkurs des Operettenhauses im Sommer 1997, wie Alice Ströver von den Berliner Grünen mitgezählt hat.

Es ist Wahlkampfzeit in der deutschen Hauptstadt, und da macht sich so eine Ankündigung immer gut. 19 Millionen Mark sollen künftig pro Jahr ins Metropol-Theater fließen (früher war mal von 25 Millionen Markdie Rede), 123 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden (1997 waren es 368). Damit wären in Berlin wieder 600 Menschen im Dienst der "Leichte Muse" tätig - und wenn 2000 der Kartenverkauf so gut läuft wie 1996, dann werden die drei Berliner Unterhaltungshäuser Friedrichstadtpalast, Metropol und Theater des Westens im kommenden Jahr 900 000 Besucher haben, viele davon Touristen, die insgesamt 150 Millionen Mark in die Kassen der Berliner Wirtschaft spülen könnten. Und das für insgesamt lächerliche 56 Millionen Subventionsmark. Zum Vergleich: Die drei Berliner Opernhäuser fertigen für 224 Millionen Mark gerade einmal 750 000 Besucher ab. Sagt Radunski.

Was er bei seinem Blick in die rosige Berliner Operettenzukunft verschweigt, ist, dass er keine Ahnung hat, woher die Zuschüsse für das Metropol-Theater kommen sollen. Gerade hat der Senator die Haushaltsberatungen 2000 platzen lassen, weil er nicht, wie 1996 versprochen, 20 Millionen aus seinem Etat abgeben will. Ausserdem fordert er, dass die Mehrbelastung von 14,7 Millionen Mark, die aufgrund der Tariferhöhungen auf die Berliner Kultur zukommt, zusätzlich in seinen Haushalt eingestellt wird. Weil er aber nach dem 10. Oktober weiter Kultursenator sein möchte, postulierte er jetzt erst einmal die Reaktivierung des Metropol-Theaters für Ende Februar 2000.

Dann soll kein Geringerer als George Tabori Kalmans "Csardasfürstin" inszenieren. Mit Chistoph Hagel am Pult, dem neuen Berliner Operettenintendanten. Der sass bei der Pressekonferenz zur Linken des Senators und zauberte jede Menge weitere Schmankerl aus dem Ärmel: Juhnke wolle bei ihm den Higgins in "My Fair Lady" geben, Katharina Thalbach hätte den "Vetter aus Dingsda" vor und Jerôme Savary Offenbachs "Schöne Helena". Ausserdem soll es in der Waldbühne im Sommer 2000 oder 2001 "Frau Luna" unterm Sternenhimmel geben.

Am lieblichsten aber lächelte gestern Michael Arent, der Immobilienunternehmer, der jüngst in Bremen ein Muical-Haus hochgezogen hat, und nach Radunski Willen künftig Hagels Kompagnon sein soll. Für eine Mark will er das marode Metropol übernehmen, vier Jahre lang jeweils 6,3 Millionen Mark in die Sanierung stecken. Dafür bekommt er das Filetgrundstück des Admiralspalastes an der Friedrichstrasse zur freien Verfügung - und vielleicht auch das unbebaute Grundstück nebenan, auf das er ziemlich scharf ist. Acht Millionen Mark Staatsknete sind bislang in die Renovierung des Admiralspalastes geflossen - den mit ebenfalls acht Millionen errechneten Verkehrswert des Gebäudes hält Arents allerdings für zu hoch. Da müsse ihm der Senat preislich schon etwas entgegenkommen.

Und das macht Radunski gerne, denn er weiß inzwischen, das ohne potenten Investor in Sachen Metropol-Theater gar nichts geht und dass Investoren so ihre Vorstellungen davon haben, was für sie dabei herausspringen soll. Für die ehemaligen Metropol-Mitarbeiter, deren Klage auf Wiedereinstellung vergangene Woche vom Bundesarbeitsgericht letztinstanzlich abgeschmettert wurde, sieht es dagegen finster aus: 80 Angestellten will Hagel ein unverbindliches Vertragsangebot machen, ein paar weitere können vielleicht noch einen der McJobs als Honorarkraft ergattern, mit deren Hilfe der Spielbetrieb billig gehalten werden soll. Und Radunski? Der könnte vom "Zigeunerbaron" auf die "Csardasfürstin" umschulen. Einen Titelsong für die nächste Legislaturperiode hält Emmerich Kalman für ihn parat: "Tausend kleine Engel singen: Hab mich lieb!".

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