Kultur : Berlins Kultursenator: Wowereit mit links

Die Übung ist so vertraut wie der jährlich empfohlene Zahnarztbesuch, aber dadurch wird sie natürlich nicht besser: Berlin braucht schon wieder einen neuen Kultursenator. Und zwar schnell. Kaum ein Ressort hat in den vergangenen Jahren so viele Persönlichkeiten verschlissen wie die Kultur. Dafür gibt es viele Gründe: Die finanzielle Lage ist schwieriger denn je, und die Lebensdauer eines potenziellen Wowereit-Senats steht in den Sternen. Schlimmstenfalls werden in diesem Jahr sogar noch zwei Kultursenatoren gebraucht - einer für den Übergang und nochmal einer, falls die CDU bei den Neuwahlen doch stärker abschneidet, als sich die Roten und die Grünen erhoffen.

Christoph Stölzls Tage in der Brunnenstraße sind gezählt. 14 Monate wird er dann im Amt gewesen sein, länger immerhin als seine Vorgängerin Christa Thoben. Stölzl galt seinerzeit als der allerletzte der Mohikaner. Und nun? Der Vernunft gehorchend, könnte ein Regierender Bürgermeister Wowereit einen eingearbeiteten, eloquenten Mann wie Stölzl im Amt behalten - wäre Christoph Stölzl nicht kürzlich in die CDU eingetreten, um sich Hausmacht in der Partei zu verschaffen. Künstlerpech!

Wer also bürdet sich eines der wichtigsten Ämter Berlins auf? Die Grünen bringen Alice Ströver ins Gespräch; eine denkbare, aber nicht ganz überzeugende Lösung. In der SPD wird fieberhaft an einem neuen Coup gebastelt: Klaus Wowereit soll für die Übergangszeit auch noch das Kulturressort übernehmen. Ein verblüffende Idee - wenn die beiden Senatsverwaltungen für Kultur und Wissenschaft, die Klaus Landowsky einmal als "Zukunftsressorts für Berlin" bezeichnet hat, wieder getrennt werden. Als neuer Wissenschaftssenator wird der Sozialdemokrat Richard Schröder gehandelt.

Ein Regierender Kultursenator also? Der Haushälter Wowereit weiß um die strategische Bedeutung von Kultur, er war der Wortführer im mächtigen Unterausschuss Theater, er geht sogar selbst in die Oper. Und er wird sich bei den Etatberatungen nicht gleich selbst beschneiden wollen. Kultur wird Chefsache in Berlin - endlich?!

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