Kultur : Berlusconis Botschaft

Silvio Berlusconis langer Arm reicht noch nicht ins deutsche Privatfernsehen, aber doch schon ins deutsche Stadttheater. So ist der vom 2. bis 11. Mai zum 19. Mal stattfindende Heidelberger "Stückemarkt" unversehens zum Politikum geworden. Nach Frankreich im letzten Jahr ist diesmal Italien Gastland des Festivals im Heidelberger Theater. Dazu soll am 4. Mai ein neues Stück des italienischen Autors Renato Gabrielli in der Uraufführungsinszenierung des Teatro Stabile von Brescia in Heidelberg gezeigt werden. Für das Italien-Programm des Festivals war eine Kooperation zwischen dem Heidelberger Theater und dem Italienischen Kulturinstitut in Stuttgart sowie der italienischen Botschaft in Berlin vereinbart worden, ähnlich wie vor einem Jahr beim Frankreich-Gastspiel mit französischen Institutionen.

Als Heidelbergs Intendant Günther Beelitz darüber Ende Februar in Berlin mit Italiens Botschafter Silvio Fagiolo sprach und den Titel des Gabrielli-Stückes "Giudici" ("Richter") nannte, war das Gespräch recht unverbindlich beendet. Anfang April fand die Premiere in Brescia statt, und fast zeitgleich zog das für Baden-Württemberg zuständige Kulturinstitut in Stuttgart auf Weisung aus Berlin die ideelle und finanzielle Unterstützung der italienischen Beiträge in Heidelberg zurück. Es werde auch nicht das zur Eröffnung erbetene Grußwort von italienischer Seite geben. Der Titel "Richter" war für die Diplomaten der Berlusconi-Regierung wohl ein Alarmsignal. In Renato Gabriellis eher surrealistischem Stück geht es unter anderem um einen suspendierten Staatsanwalt und dessen Schwager, einen Event-Unternehmer namens Barnaba Belloni, der zwischen mafiosen Kontakten und einer "New Target Philosophy" (Neue Ziel-Philosophie) laviert. Offenbar provozierte die Belloni-Metapher eine Intervention des Außenministeriums in Rom und der Botschaft in Berlin. Man vermittle hier "kein wahres Bild der italienischen Gesellschaft". Das Gastspiel findet nun trotzdem statt, mit Unterstützung von Fiat Deutschland. P.v.B.

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