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Bernadette Lafont : Die Barfüßige: Bernadette Lafont, die große französische Schauspielerin, ist tot

26.07.2013 10:40 Uhrvon
2003 erhält Bernadette Lafont den französischen Filmpreis César für ihr Lebenswerk.Bild vergrößern
2003 erhält Bernadette Lafont den französischen Filmpreis César für ihr Lebenswerk. - Foto: AFP

Gerade erst ist ihr letzter Film "Paulette" im Kino gestartet, darin spielt sie eine grantige Rentnerin. Nun ist Bernadette Lafont, eine Ikone der Nouvelle Vague, in Frankreich gestorben.

So fing es an mit ihr und dem Kino: barfuß auf dem Fahrrad. Fröhlich kurvt das Mädchen durch die Straßen, heißt Bernadette, genau wie sie selbst. Das mit dem Überschuss Realität hat Bernadette Lafont zunächst an der Nouvelle Vague gestört, aber dann gefiel es ihr, damals, 1957, bei ihrer ersten großen Leinwandrolle in „Die Unverschämten“ von François Truffaut. Der andere „Unverschämte“ war Gérard Blain, der Ehemann der 18-Jährigen. Wenig später machte sie mit Claude Chabrols Debütfilm „Die Enttäuschten“ („Le beau Serge“) Furore.

Bärbeißig in der Pariser Banlieue und furchtlos gegenüber der Drogenmafia, so endet es nun mit ihr und dem Kino. Munter backt sie Haschkekse, mausert sich von der übellaunig rassistischen Rentnerin zur fantastischen Dealerin, heißt Paulette in ihrer letzten Kinorolle, in der gleichnamigen Komödie von Jérome Enrico, die seit letzter Woche in den deutschen Kinos zu sehen ist.

Bernadette Lafont war keine mysteriöse Diva sondern ein Freigeist, sinnlich, frech, temperamentvoll

Dazwischen liegt mehr als ein halbes Jahrhundert Filmgeschichte. In über 170 Kino- und TV-Filmen trat Bernadette Lafont auf; gemeinsam mit Jeanne Moreau, Anna Karina, Belmondo und Jean-Pierre Léaud gehört sie zu den Ikonen der Nouvelle Vague. Keine mysteriöse Diva, sondern ein Naturkind und Freigeist, wilder Lockenkopf, frech, sinnlich, temperamentvoll, ausgestattet mit der charmanten Frivolität der Unbekümmertheit. Oder mit der Melancholie ungestillter Sehnsucht wie die kleine Verkäuferin in Chabrols „Die Unbefriedigten“. Der bürgerlichen Moral trotzten sie alle: noch einmal bei Truffaut – als Gangsterin mit Showkarriere in „Ein schönes Mädchen wie ich“ (1972) –, in acht Filmen von Chabrol, bei Rivette, Claude Miller, Costa-Gavras, Jean-Pierre Mocky. Und in Jean Eustaches „Die Mama und die Hure“(1973). Der melancholische 220-Minuten-Film über eine offene Dreierbeziehung machte Skandal – und wurde mit Preisen überhäuft. Lafont ist die ältere, mütterlichere der beiden Geliebten von Jean-Pierre Léaud.

Ihre letzte Rolle. Bernadette Lafont als grantige Rentnerin "Paulette". Der Film kam in Deutschland am 18. Juli ins Kino.Bild vergrößern
Ihre letzte Rolle. Bernadette Lafont als grantige Rentnerin "Paulette". Der Film kam in Deutschland am 18. Juli ins Kino. - Foto: dpa

Später spielte sie tatsächlich die Mütter der „Frechen Mädchen“, wie in Claude Millers Film mit Charlotte Gainsbourg. Bernadette Lafont, eine Ahnin all der schönen Rebellinnen des französischen Kinos. Schauplatz von Truffauts „Die Unverschämten“ war übrigens das Elternhaus der jungen Actrice, die eigentlich Tänzerin werden wollte, im südfranzösischen Nimes. Dort, in ihrer Heimatstadt, hat sie zuletzt gelebt, mit ihrem späteren Ehemann, dem ungarischen Bildhauer Diourka Medveczky, mit dem sie drei Kinder hatte, auch die Tochter Pauline, die 1988 mit 25 Jahren bei einem Bergunfall ums Leben kam. Und dort in Nimes ist der anarchische Star Bernadette Lafont am Donnerstag mit 74 Jahren im Krankenhaus gestorben. Erst im Frühsommer war sie nach Berlin gekommen, um für ihre „Paulette“ zu werben.

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