Kultur : Bernard Tapie in Claude Lelouchs "Männer & Frauen"

PETER BECKER

Fast abgeschmackt klingt das Wort: ein Naturtalent.Aber Bernard Tapie, der französische Unternehmer, Frauenschwarm, Ex-Minister und Ex-Präsident (von Olympique Marseille), er ist offenbar noch mehr: ein Kunsttalent.Sein Debüt als Schauspieler in Claude Lelouchs Männer & Frauen wird zur Sensation: Ein Amateur, und das Wort bedeutet im Original ja so viel wie "Liebhaber", spielt die erste Garnitur der ohnehin schon wunderbaren französischen Filmdarsteller an die (Lein-)Wand.Seit Orson Welles in "Citizen Kane" hat man einen solchen (stillen) Taifun als Tycoon nicht mehr im Kino gesehen - souveräner, ich schwöre es, als James Dean in "Giganten" oder selbst Brando im "Paten" und Lino Ventura in seinen späten Gentleman-Gangsterrollen.Und der tolle Tapie wird ein Film-Opfer der schönen Internistin Doktor Nitez (Alessandra Martines), die mit der wohl phantastisch-realistischsten Endoskopie der Filmgeschichte der Einsicht, daß die Liebe mitunter durch den Magen geht, eine abenteuerliche Dimension verleiht.Lelouchs Komödie setzt auf ein Experiment, das Männer und Frauen wie in einem Marivaux-Stück zu Versuchspersonen im Labor der Liebe macht, teuflisch human und dabei sehr unterhaltsam.

(Noch im Cinema Paris und im Scala)

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