Kultur : Berufsbildungsbericht 2001: Im Zweifel für die Alten

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Alte werden wieder interessant. Angesichts einer alternden Industriegesellschaft bleiben dem Staat und den Unternehmen auch kaum eine andere Wahl. Die Unternehmen brauchen das Wissen und die Erfahrung der älteren Menschen, der Staat braucht ihre Steuern und Beiträge zur Rentenversicherung und den Krankenkassen. "Bisherige Leitbilder und einseitige Zentrierung auf Jung oder Jugend sind nicht mehr zeitgemäß" versucht sich daher schon mal Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) im Berufsbildungsbericht 2001 an einer Neubesinnung. Sie fordert die Unternehmen auf, sich auch auf ältere Arbeitnehmer zu konzentrieren. Sie müssten gerade die Älteren - bislang schnell und früh in Rente geschickt - weiterbilden. Die Betriebe sollen, fordert Bulmahn, Strategien entwickeln, wie ältere Beschäftigte in die sich verändernden Arbeitsabläufe einbezogen werden und mit neuer Technik arbeiten können.

Bernhard Jagoda, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, stimmte Bulmahn am Wochenende zu. Er wiederholte seine alte Forderung auf die "eigenen Ressourcen zurückzugreifen und unserer eigenes Potenzial vernünftig zu nutzen". Menschen könnten nicht ab 50 Jahren einfach als alt bezeichnet und abgestempelt werden.

Die Bevölkerungsstatistik gibt ihnen Recht. In den kommenden 50 Jahren wird der Altenquotient in Deutschland ohne Zuwanderung von derzeit 24 auf 57 steigen. Dies bedeutet, dass dann auf 100 Menschen zwischen 15 und 65 Jahren, 57 Menschen über 65 Jahre kommen. Heutzutage sind es 24 Menschen über 65 auf 100 jüngere. Das ist eine Steigerung um den Faktor 2,4. Diese Alterung wird nicht nur die Rentenbeiträge verdoppeln, sondern auch die Rente auf eine unbedeutende Summe schrumpfen lassen. Die Annahme zeigt aber auch den Druck, der auf einem Einwanderungsgesetz liegt. "Die Einwanderung jüngerer Menschen kann den Anstieg des Altenquotienten nur mildern", warnt Herwig Birg, Professor und Direktor des Instituts für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik der Universität Bielefeld. Denn Deutschland müsste 188 Millionen Einwanderer bis zum Jahr 2050 ins Land holen, um die unvermeidliche Überalterung durch den Zuzug Jüngerer zu stoppen. Allerdings würden dann nicht 82 Millionen Menschen hier zu Lande leben, sondern 299 Millionen. "Illusionär" bezeichnet Birg daher die Hoffnungen auf Verjüngung durch Einwanderung. Es bleibt die Notwendigkeit nach Reformen - und nach neuen Leitbildern der weisen Alten.

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