Kultur : Berufsbildungsbericht 2001: "Wir bilden gut aus, andere profitieren. Das ist absurd."

Werden ältere Arbeitnehmer künftig wiede

Edelgard Bulmahn (49) ist als Bildungsministerin der rot-grünen Regierung CDU-Mann Jürgen Rüttgers 1998 ins Amt gefolgt.



Werden ältere Arbeitnehmer künftig wieder mehr gebraucht als in der Vergangenheit?

Wir müssen umdenken, besonders wegen des Fachkräftemangels. Damit bekommen auch ältere Arbeitnehmer wieder mehr Chancen. Wir müssen aber auch Wege finden und von den Erfahrungen der Älteren lernen. Dann können sie auch das Wissen von einer Generation an die nächste weitergeben. Andernfalls geht ihr Können und das hohe Maß an Qualifikation verloren.

Wie will die Bundesregierung die Chancen älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt verbessern?

Die Qualifikationsanforderungen auf dem Arbeitsmarkt steigen, auch für ältere Arbeitnehmer. Darum soll ihre Weiterbildung gefördert werden - und zwar bevor sie arbeitslos werden. Im Bündnis für Arbeit wollen wir dafür mit Arbeitgebern und Gewerkschaften aushandeln, dass die Bundesanstalt für Arbeit dies schon für 50-Jährige fördern kann. Bisher ist die Altersgrenze 55 Jahre. Aber auch in den Köpfen muss sich etwas ändern. Niemand darf mehr mit 50 Jahren zum alten Eisen gehören.

Wie wollen sie eine Öffnung der Weiterbildung für normale Arbeitnehmer erreichen?

Weiterbildung und Qualifizierung müssen in Deutschland normal werden. Das muss im Tarifrecht verankert werden. Mit der Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes wollen wir auch die Rechte der Betriebsräte in Weiterbildungsfragen stärken. Bisher gibt es viele Weiterbildungsangebote für Führungskräfte, für Normalqualifizierte aber nicht. Da muss umgedacht werden. Für die IT-Branche haben wir im Bündnis für Arbeit ein Weiterbildungskonzept schon fast fertig entwickelt. Es sieht einen Aufbau aus Qualifikationsbereichen und eine Qualitätssicherung vor. Das kann zum Beispiel für andere Branchen werden.

Ausländische Arbeitskräfte mit Green Cards werden in Mangelbereichen bereits eingesetzt. Was planen Sie für Ausländer, die in Deutschland studiert haben?

Bisher mussten sie nach dem Studium in ihr Heimatland zurückgehen. Hier arbeiten konnten sie höchstens in der Wissenschaft. Die meisten von ihnen - gerade in den Mangelbereichen Naturwissenschaft und Technik - sind aber gar nicht in ihre Heimatländer zurückgekehrt, sondern in die USA oder andere europäische Staaten. Das wollen wir ändern. Bis Mitte des Jahres soll eine Regelung dafür auf den Weg gebracht werden. Wir bilden bisher auf hohem Niveau aus, damit andere Länder etwas davon haben. Das ist so absurd. Wir brauchen aber auch eine Qualitätsoffensive für den gesamten Bildungsbereich. Mit den Ländern arbeiten wir an einer gemeinsamen Grundausrichtung dafür.

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