Kultur : Bescherung ist immer

Ein

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von Rüdiger Schaper

Heute, Kinder, wird es eng. Wir haben noch ein paar Wünsche auf den letzten Drücker. Es kostet nicht die Welt, macht aber viel Spaß und nur ein bisschen Mühe. Fangen wir an mit der Akademie der Künste: Am Pariser Platz sollen sie die Türen fest verschließen bis mindestens zum nächsten Weihnachtsfest, damit die Geistesbürokraten ungestört weiterdösen in ihrem Schneewittchensarg. Nun zum Palast der Republik. Nichts gegen den Abriss, nur müsste der Berliner Senat, die Bundesregierung, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz oder sonst jemand erklären, was danach kommt. Wir wünschen uns kein Luftschloss, sondern eine Idee. Eine wirklich große, mitreißende Idee, und da sollte das Geld mal keine Rolle spielen, was die gähnende Leere hinter einer Schlossfassade füllen könnte. Alternativwunsch: die Akademie an Investoren verkaufen, den Palast stehen lassen und die Akademiker dort unterbringen. Hallo Volksbühne: Von euch wünschen wir uns, dass ihr die dicken russischen Schwarten beiseite legt und Henry Hübchen wieder spielt. Könnte bald in Erfüllung gehen, im Januar will Frank Castorf mit den Proben zu Brechts „Dickicht der Städte“ beginnen. Ist ja auch Brecht-Jahr, nächstes Jahr. Und Fußballweltmeisterschaft. Unser innigster Wunsch: dass Kahn im Finale nicht wieder daneben greift. Das WM-Kulturprogramm macht uns nervös. Nicht, dass wir nachher in Opern-Schauspiel-Tanzperformance-Kopfballorgien, Konzeptausstellungen und Hobbykicker-Literaten-Lesungen schmoren, und die Deutschen sind längst ausgeschieden. Ein Frohes Fest wünschen wir auch den Berliner Festspielen. Sie haben uns zuletzt mit Isabelle Huppert und Simon McBurney erfreut. Mehr davon! Ach ja: Unsere geliebte, stets überfüllte Joseph-Roth-Diele soll eine Filiale bekommen. Namensvorschlag: Stefan-Zweig-Stelle. Sternstunden der Menschheit in der Potsdamer Straße!

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