Besetzte Volksbühne : Aktivisten wollen zweijährige Interimsintendanz

Man wolle die Zeit nutzen, um ein neues Konzept für die Volksbühne zu entwickeln, erklärte eine Sprecherin der Theater-Besetzer.

Aktivisten sitzen am 22.09.2017 in Berlin im Foyer der Volksbühne. Foto: picture alliance / Paul Zinken/dpa
Aktivisten sitzen am 22.09.2017 in Berlin im Foyer der Volksbühne.Foto: picture alliance / Paul Zinken/dpa

Im Konflikt um die Berliner Volksbühne streben die Theater-Besetzer eine neue Übergangsintendanz an. „Wir schlagen eine Interimsintendanz von zwei Jahren vor, um mit Stadt, Senat, Mitarbeitern und Künstlern ein Konzept für die Volksbühne zu entwickeln“, sagte die Sprecherin der Volksbühnen-Besetzer, Sarah Waterfeld, der Berliner „tageszeitung“ (Mittwoch). Die umstrittene Besetzung begründete die Politik- und Literaturwissenschaftlerin mit den Worten: „Das Projekt Menschheit sollte auf eine andere Zukunft hinauslaufen. Wir finden, es ist nicht hinnehmbar, wie in dieser Stadt die Freiräume verschwinden.“

Seit Freitagabend hält eine Aktivistengruppe mit dem Namen „Staub zu Glitzer“ das Theater am Rosa-Luxemburg-Platz besetzt. Seit Monaten gibt es in Berlin einen Streit um den neuen Volksbühnen-Intendanten Chris Dercon und einer damit verbundenen Neuausrichtung des traditionsreichen Hauses.

Am Dienstagabend hatte es unterdessen Gespräche mit Vertretern der Intendanz, des Senats und den Besetzern gegeben. Weil die Aktivisten unter anderem die aktuellen Proben an der Volksbühne behindern, hatte Intendant Dercon ihnen ein alternatives Raumangebot gemacht. Demnach sollen die Besetzer den Grünen Salon und den Pavillon in der Volksbühne für ihren Protest nutzen können. Die Besetzer hätten das Angebot zur Kenntnis genommen und wollen es am Mittwoch diskutieren und „sich dazu verhalten“, sagte der Sprecher der Kulturverwaltung, Daniel Bartsch, am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Dercon war über die geplante Besetzung informiert

Oppositionspolitiker forderten dagegen von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) ein Ende der Theater-Besetzung. Der kulturpolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Robbin Juhnke, sagte im RBB-Inforadio, Lederer müsse den Besetzern klar machen, dass das so nicht gehe. „Wer wäre dazu berufener als Lederer, weil das ja seine Klientel ist, mit der er da verhandelt“, erklärte Juhnke.

Zum Angebot von Volksbühne und Senat, den Besetzern alternative Räume in der Volksbühne anzubieten, sagte der CDU-Politiker, man müsse staunen, wie der Klamauk nun weitergehe. Eine polizeiliche Räumung sei für ihn allerdings nicht der „Weisheit erster Schluss“, so Juhnke. Zunächst sei der Senator gefordert, „die Leute erst mal mit dem Wort heraus zu bitten“.

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Intendant des Deutschen Theaters Berlin, hat die Situation an der besetzten Berliner Volksbühne als „extrem verfahren“ bezeichnet. „Man muss eines sehen: Alle Theater sind ja nicht nur Hüllenhäuser, sondern extrem zerbrechliche, sehr komplex arbeitende Mechanismen und Konstruktionen“, so Khuon am Mittwoch im RBB-Kulturradio. „Diese Arbeit ist extrem störanfällig.“ Das den Besetzern von Kulturverwaltung und Intendant Chris Dercon unterbreitete Angebot, zwei Räume des Theaters zu nutzen, finde er richtig. Die Besetzer müssten jedoch dringend von ihrer „Position der Arroganz, der Überheblichkeit, der Selbstgewissheit“ runterkommen und das Angebot annehmen.

Die Aktivisten-Sprecherin Waterfeld verwies darauf, dass Intendant Dercon bereits Ende August von der geplanten Besetzung informiert worden sei. „Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass er sich meldet. Er hatte vier Wochen Zeit dafür“, sagte die Sprecherin: „Entweder er hat uns nicht ernst genommen oder er versteht doch, was hier passiert.“ (dpa)

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