BESETZUNGSzettel : Der Frühling des Jasagers

Frederik Hanssen über Oper am Rosa-Luxemburg-Platz

Frederik Hanssen

Oper ist bei Schauspielregisseuren derzeit groß in Mode. Weil hier, anders als beim Sprechtheater, noch nicht alles Zynismus und Dekonstruktion sein muss, weil man sich in der Oper die großen Gefühle, ja sogar Pathos erlauben darf. Wo man singt, da lass dich ruhig nieder.

Auch Frank Castorf, Volksbühnenintendant in der Sinnkrise, hat sich zuletzt wiederholt am Musiktheater versucht. Seine Nur-Text-Version von Richard Wagners „Meistersingern von Nürnberg“ wurde kontrovers aufgenommen, hält sich aber am Rosa-Luxemburg-Platz im Spielplan. An diesem Donnerstag nun soll die ganze Nacht lang Musik durch das Avantgarde-Haus klingen: Opernzeit – Zeitoper heißt das Projekt in bestem Dramaturgendeutsch, es geht um Werke, die in den zwanziger Jahren entstanden: „mitten im Zentrum der Moderne“. Auf dem Papier liest es sich recht aufgeplustert, in der Praxis wird Castorf Brechts „Jasager“ sowie „Neinsager“ inszenieren, auf der großen Bühne gibt es Kurzopern von Karl Amadeus Hartmann, David Marton steuert seine Version des „Wozzeck“ bei und im Sternfoyer wird Operette gespielt, „Frühling“, eine Rarität von Franz Léhar. Na dann, Ohren auf in der Volksopernbühne!

Volksbühne, Do 8.11., 19 Uhr, ab 15 €, erm. 7,50 €

» Mehr lesen + gratis Kino für Sie!

0 Kommentare

Neuester Kommentar