BESETZUNGSzettel : Die andere Anna

Frederik Hanssen über eine Großtat und sieben Sünden

Frederik Hanssen

Das ist Herzensgröße: Am Wochenende tritt Daniel Barenboim gemeinsam mit Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern auf. Der Unterlegene bei der letzten Wahl zum Chefdirigenten des Weltspitzenorchesters musiziert mit dem Sieger. Barenboim wird der Solist in Johannes Brahms’ 2. Klavierkonzert sein, Rattle begleitet. „Daniel ist sehr gut darin, Dinge hinter sich zu lassen, nach vorne zu schauen“, berichtet Rattle in Nicholas Kenyons Biografie „Abenteuer der Musik“ (Henschel Verlag). Dass die Philharmoniker den Weg ins 21. Jahrhundert mit seinem britischen Kollegen einschlagen wollten, hat ihnen Barenboim nicht verübelt. Gott sei Dank.

Konsequent im Sinn der Repertoire-Erweiterung, die Rattle so leidenschaftlich in Berlin betreibt, ist das zweite Stück des Abends, Kurt Weills „Sieben Todsünden“. Uraufgeführt im Juni 1933 in Paris, wohin der Komponist vor den Nazis geflüchtet war, führt das „ballet chanté“ die Linie der sozialkritischen Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ weiter. Das Libretto von Brecht erzählt die Geschichte des Mädchens Anna, das in die große Stadt geschickt wird, um seiner Familie mit ihrem Talent ein Häuschen zu ertanzen. Es singt die grandiose Angelika Kirchschlager.

Philharmonie, Fr 1.6., Sa 2.6., So 3.6., 20 Uhr, ab 25 €

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