BESETZUNGSzettel : Wenn Männer weinen

Frederik Hanssen wandelt auf Orpheus’ Spuren

Frederik Hanssen

Manchmal wollen Opernsänger mehr. Nicht nur schöne Töne produzieren und im Übrigen den Anweisungen des Regisseurs folgen. Nein, diejenigen unter den Musiktheaterprofis, die ihren Kopf nicht nur als Arbeitswerkzeug bei der Stimmproduktion benutzen, kommen früher oder später auf die Idee, selber mal die Werke, die ihnen am Herzen liegen, aus ihrer Sicht zu interpretieren.

Der Tenor Kobie van Rendsburg, seit Jahren ein gefragter Interpret im Bereich der Alten Musik, hat im Frühjahr in Halle an der Saale seine erste eigene Regie vorgelegt: Monteverdis „Orfeo“, natürlich mit sich selber in der Titelrolle. Doch seine Gedanken zum mythischen Sänger, zum Urvater aller Musiktheaterkünstler, der mit seinen Tönen selbst den Höllenfürst rührte, gingen noch weiter.

Darum zeigt er nun im Radialsystem am Ostbahnhof die Performance Il pianto d’Orfeo: Orpheus’ Tränen. Van Rendsburg singt, verantwortet Regie, Dramaturgie und Video, Choreograf Norbert Steinwarz bewegt drei Tänzer und die Lautten Compagney spielt italienische und französische Barockmusik. Ein mutiges Experiment mit Blick in die Opernzukunft, getreu dem klassischen Orpheus- Motto: Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Radialsystem, Do 6.9.

(Premiere), 20 Uhr, ab 16 €

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben