Kultur : Beste Freunde

Der Hanser Berlin Verlag feierte seinen Einstand.

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Noch sind sie wunderschön leer, die Verlagsräume des im Herbst 2011 neu gegründeten Hanser Berlin Verlags in der westlichen Friedrichstraße, schräg gegenüber vom Checkpoint Charlie. So liegt es an diesem kühlen Freitagabend, da die Räume eingeweiht werden, natürlich nahe, über das buchlose Verlagsbüro zu unken. Darüber, dass in Zukunft vielleicht wirklich ein paar Laptops reichen, um einen Verlag zu führen und Bücher zu veröffentlichen, E-Books eben.

Hanser-Chef Michael Krüger und Hanser-Berlin-Verlagsleiterin Elisabeth Ruge weisen in ihren Reden denn auch sachte darauf hin, dass in der vermeintlich schönen neuen digitalen Welt, in einer Zeit, da die Verlagsbranche große Veränderungen durchmacht, so eine Verlagsgründung ein nicht ganz kleines Risiko darstellt – aber auch eine Sache der Leidenschaft ist, des Glaubens an die Unverzichtbarkeit gehobener Buchkultur. Wohl nicht zuletzt deshalb sind an diesem Abend viele Verleger-Kollegen gekommen, um ihren Respekt zu bezeugen: Helge Malchow von KiWi, Marcel Hartges von Piper, Joachim Unseld von der FVA und Birgit Schmitz vom Berlin Verlag, dem Elisabeth Ruge bis zu ihrer Demission im Frühjahr 2011 jahrelang vorstand.

Der Start von Hanser Berlin ist mehr als geglückt. Noch bevor im Herbst das erste Programm erscheint, hat der Verlag mit Philippe Pozzo Di Borgios Buch „Ziemlich beste Freunde“, der wahren Geschichte zum Erfolgsfilm, einen ultimativen Bestseller gelandet. 200 000 Exemplare sollen schon ausgeliefert worden sein. So lässt sich gleich viel entspannter erwarten, wie das erste Programm ankommt. Das wiederum mutet an wie eine Fortführung des Ruge’schen Programms beim Berlin Verlag, nur unter anderem Dach. Ein Roman von Richard Ford, „Kanada“, ein neues Buch von Richard Sennett, „Zusammenarbeit. Was unsere Gesellschaft zusammenhält“, Jonathan Littells Notizen aus dem syrischen Homs, ein Roman von Orlando Figes – all diese Autoren veröffentlichten bislang ihre Bücher beim Berlin Verlag. Und auch Ingo Schulze scheint Ruge die Treue zu halten, von ihm erscheint ein politisches Manifest „für demokratiekonforme Märkte“.

Elisabeth Ruge spricht an diesem Abend noch davon, nicht einfach irgendwelche Bücher veröffentlichen zu wollen, nur weil halt wieder eine Saison bevorsteht. Vielmehr will sie sprichwörtlich „programmatisch“ vorgehen. Ihr erstes Programm könnte halten, was sie verspricht – dann werden sich auch die Verlagsräume schnell füllen.Gerrit Bartels

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