Kultur : Beste Freunde

Hämmern und heulen: Palma Violets im Lido.

H. P. Daniels

Die Menge im drängelig vollen Lido jubelt in gespannter Vorfreude, als zu bonbonbuntem Lichtgeflacker die Palma Violets aus London auf die Bühne tröpfeln. Sam Fryer schrabbelt allein ein bisschen auf der Telecaster herum. Dann lässt Chilli Jesson den Bass knurren, Jeffrey Mayhew orgelt und William Doyle drischt ins Schlagzeug. Höllenlärm. „Johnny Bagga’ Donuts“ kommt mit knochigem Geriffe, das ein bisschen an The Clash erinnert. Wie auch „Rattlesnake Highway“ zu einem guten Teil von der Clash-Version des Bobby- Fuller-Hits „I Fought The Law“ abgehört zu sein scheint. Es wird ein bisschen psychedelisch mit Jahrmarktorgelwallen, bevor zu „Tom The Drum“ wieder eine massive Lärmwand gezimmert wird. Deren solide Nägel stammen aus den Werkzeugkästen der Who und der Stones. Während der Hitsingle „Best Of Friends“ wiederum deutliche Untertöne der Undertones („Teenage Kicks“) eingehämmert sind.

Es ist immer eine Freude, wenn aus dem Nichts eine frische junge Band auftaucht, die all die alten Tugenden des Rock’n’Roll wieder zum Klingen bringt: Echte Leidenschaft, Energie und Lebensfreude. Der pure Spaß am Musikmachen. Aus der Unbill des jugendlichen Alltags werden Hymnen, eine betörender Mix aus harter Coolness und fragiler Romantik. Umso enttäuschender ist es aber, wenn eine Band, der diese wunderbaren Attribute vorauseilen, ihnen dann nicht hinterherkommt. Die Palma Violets, die nach nur zwei Singles vom „NME“ zur „Besten Neuen Band“ ausgerufen wurden, bleiben an diesem Abend hinter den Erwartungen zurück. Nach 50 Minuten haben sie ihr Debütalbum „180“ durchgespielt. Etwas gleichförmig, angestrengt und ohne besondere Dynamik. Doch wenn sie sich jetzt nicht vom schnellen Erfolg auffressen lassen, wachsen sie vielleicht noch in die großen Schuhe hinein. H. P. Daniels

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