Kultur : Bestseller nicht von Männern

In der deutschen Kriminalliteratur sind Frauen die mit Abstand erfolgreichsten Autoren. "Es ist kein Zufall, dass die fünf Nominierten für den Glauser-Preis Frauen waren", sagt die die in Berlin lebende Autorin Thea Dorn, selbst Preisträgerin des Deutschen Krimi-Preises 2000. Der nach dem 1938 gestorbenen Schweizer Schriftsteller Friedrich Glauser benannte Preis wird in dieser Woche beim Krimiautoren-Treffen "Criminale 2000" in Essen an die Berlinerin Uta-Maria Heim verliehen. Auch den "Ehren-Glauser" nimmt mit Doris Gercke (Bella Block) eine Frau entgegen. Der fulminante Aufstieg der Frauen begann in den 80er Jahren, sagt Dorn, seit 1998 stellvertretende Sprecherin des "Syndikats" der deutschsprachigen Krimiautoren. Das habe eine Weile dazu geführt, dass männliche Kollegen mit dem Gedanken gespielt hätten, ihre Bücher unter weiblichem Synonym herauszubringen. Die "absolut erfolgreichste" sei heute Ingrid Noll, deren "Apothekerin" mit Katja Riemann und Jürgen Vogel in den Hauptrollen verfilmt wurde. Ansonsten sei es um den deutschen Krimi, der sich einem "verheerenden Verdrängungswettbewerb" seitens der angelsächsischen, aber auch der skandinavischen Konkurrenz ausgesetzt sehe, gar nicht gut bestellt. Rund 80 Prozent des Marktes würden von ausländischen Titeln bestritten. "Da hat der deutsche Krimi eindeutig ein Problem", konstatiert die Autorin. Bei den Verlagen herrsche die Einschätzung vor, "dass Krimi als Label nicht mehr zieht."

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