Kultur : Beton und Hoffnung

Das Philharmonia Quartett im Kammermusiksaal

Daniel Wixforth

Eine „Hommage an den verstorbenen Freund“ nennt das Philharmonia Quartett dieses Konzert – und man meint, zehn Monate nach dem plötzlichen Tod des Cellisten Jan Diesselhorst, an diesem Abend tatsächlich so etwas wie drückende Nachdenklichkeit im Kammermusiksaal der Philharmonie zu verspüren. Anders lässt sich dieser Haydn nicht erklären: Wenn sich Daniel Stabrawas Geige zu Beginn des B-Dur-Quartetts über dem schwebenden Akkord erhebt, dann liegen Betonklötze darauf. Kein Glanz eines Sonnenaufgangs, dem dieses Werk seinen Beinamen verdankt, kein aristokratischer Esprit, wie man ihn bei Haydn glaubt erwarten zu müssen. Stattdessen Schwermut. Im Menuett kommen besonders Christian Stadelmanns zweite Geige und Neithard Resas Bratsche wunderbar wie aus einem Guss daher, auch hier aber verbirgt sich immerzu die Gefahr einer latenten Romantisierung, die allzu sehr von trüber Subjektivität geprägt ist. Kann das Haydn sein?

Anders bei Bartoks 2. Streichquartett: ein brillantes Verständnis dieser ungewöhnlich disponierten Satzfolge, gepaart mit viel Gespür für die Motivbehandlung im ersten Satz, viel Ausdruckswillen zwischen zackig und zickig im Allegro – all das sind magisch düstere Momente. Gut, dass im Anschluss Schuberts d-Moll- Quartett, „Der Tod und das Mädchen“, trotz morbider Programmatik interpretatorisch emanzipiert wird. Vor allem im Finale stellt das Quartett, in das der neue Cellist Dietmar Schwalke sich souverän zu integrieren weiß, musikalischen Tiefsinn wie einen Hoffnungsschimmer über die klingende Bebilderung des Todes. Daniel Wixforth

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