Beutekunst : Russland zu Verhandlungen über Baldin-Sammlung bereit

Im Streit um die Rückgabe von "Beutekunst" an Deutschland ist Moskau weiter bereit zu Verhandlungen über die Baldin-Sammlung aus Bremen. Es bestehen noch Fragen zur Ausfuhr der Bilder Ende des zweiten Weltkriegs, so der russische Kulturminister Alexander Sokolow.

Moskau Die private Ausfuhr der Bilder durch den sowjetischen Offizier Viktor Baldin Ende des Zweiten Weltkriegs werfe eine Reihe von Fragen auf, auf deren Klärung Deutschland bestehe. "Leider hat Baldin alles unrechtmäßig ausgeführt und drei Jahre unter seinem Bett aufbewahrt", sagte Sokolow. Damit habe Deutschland einen Ansatzpunkt für Forderungen.

Zudem falle die Sammlung nicht unter das "Beutekunst"-Gesetz, nach dem Russland die Schätze aus Deutschland als Entschädigung für im Krieg erlittene Verluste beansprucht. Die 362 Meisterzeichnungen aus der Kunsthalle Bremen, darunter Werke von Rembrandt, Dürer und Rubens, werden zur Zeit im Moskauer Puschkin-Museum aufbewahrt. Baldin hatte die Werke vor ihrer Vernichtung retten wollen.

Gespräche im Februar

Nach Angaben von Sokolow wollen Berlin und Moskau im Februar weiter verhandeln, einen Zeitpunkt und Ort nannte der Minister nicht. Während der deutsch-russischen Regierungskonsultationen Mitte Oktober in Wiesbaden habe es keine Bewegung in dem Konflikt gegeben, sagte Sokolow. Künftig sollen sich verschiedene Arbeitsgruppen mit den Einzelthemen in der "Beutekunst"-Frage befassen, sagte der Minister.

Zuletzt hatte Sokolow im Juni dementiert, deutsche und russische Experten hätten sich auf die Rückgabe der "Baldin-Sammlung" bereits geeinigt. Medien hatten berichtet, Deutschland solle die Sammlung fast komplett erhalten und im Gegenzug zwei Millionen US-Dollar (1,4 Millionen Euro) für die Sanierung bedeutender Kulturdenkmäler in den Städten Pskow und Nowgorod Weliki zahlen. Ein russisches Auktionshaus hatte im Auftrag des Kulturministeriums die "Baldin-Sammlung" auf 23,4 Millionen US-Dollar geschätzt. Die 20 Werke, die nach einem früheren Angebot aus Deutschland in Russland bleiben können, sollen sechs Millionen Dollar wert sein. Darunter wäre auch ein Gemälde von Francisco de Goya. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben