Kultur : Beuys

Berlin erlebt derzeit ein kleines Beuys-Festival: Der Hamburger Bahnhof, ohnehin sehr gut mit Beuys bestückt, zeigt zusätzlich die "Editionen" des Künstlers aus der Sammlung Reinhard Schlegel.Und das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) ergänzt nun den Blick auf Beuys um eine Auswahl sehr schöner, vorwiegend früher Zeichnungen.Den eigentlichen Anlaß dieser Ausstellung liefert die Übergabe des "Tisches mit Aggregat" als Dauerleihgabe für den Reichstag.Beuys, dem in Bonn vor Jahren mit dem sogenannten "Gräberfeld" der Einzug ins Plenargebäude verwehrt wurde, kommt so nun doch noch ins Parlament.Auch der "Tisch mit Aggregat" war ursprünglich Bestandteil der ifa-Schau, die inklusive Druckgraphik und verschiedener Objekte seit 1989 um die Welt tourte, um im Ausland von der deutschen Kultur zu künden.

Die von Götz Adriani (Kunsthalle Tübingen) in den achtziger Jahren versammelten Beuys-Zeichnungen, sind sicher kein schlechter Botschafter für unsere Kulturnation, nimmt man nur die Qualität der Ausstellung als Kriterium.Denn Beuys selbst ist ja längst sakrosankt, seine Bedeutung für die deutsche Kunstgeschichte als immens erwiesen, sein Einfluß auch als Lehrer an der Düsseldorfer Akademie als beträchtlich erkannt und sein Werk in unendlich vielen Publikationen und Ausstellungen gewürdigt.Vor zehn Jahren war Beuys beim Publikum noch umstritten.Adriani hat deshalb damals versucht, die Kunst als Vehikel für die Beuysschen Ideen kenntlich zu machen.

Die in Berlin aus praktischen Gründen erfolgte Beschränkung auf die Zeichnung tut diesem Unterfangen keinen Abbruch.Tatsächlich gewährt die Ausstellung einen Blick auf einen "unendlich wichtigen Apparat", wie Beuys seine Zeichnungen nannte.Beuys arbeitete an immer wiederkehrenden Themenkomplexen: Es gibt das autobiographisch geprägte Motiv der Frau (Unsere Abbildung zeigt das Doppelblatt "2 Mädchen" (1956/57)), weiterhin die Verarbeitung der Hirsch-Symbolik, die Variationen zur Biene, den "Energiekörper" oder die "Theorie der Plastik (linke Position)", gleichzeitig ein ironischer Beweis für das Graue aller Theorie, auch wenn es sich nur um geronnene graue Farbe handelt.Das symbolische Vokabular wird zuerst in der Zeichnung ausgebildet und erprobt.Die gestrichelten Blätter sehen oft vorläufig aus.Es sind Versuche, zeichnerische Essays, die ihre Suche nach dem Ausdruck selbst dokumentieren, etwa wenn eine Konturlinie mehrmals ansetzt, um die Form eines Fußes oder einer Brust zu finden.Gerade diese zarten Reisen ins Land zwischen Idee und Intuition, mit dem Bleistift in der Hand, führen ganz nahe zur Quelle des erweiterten Kunstbegriffs Beuysscher Prägung.

ifa-Galerie, Neustädtische Kirchstraße 15, bis 24.5., Di bis So, 14 - 19 Uhr.

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