BIEDERMEIER IM DHMDie Erfindung der Einfachheit : Mode für Metropolen

Christina Tilmann

Schade, dass der Designmai schon vorüber ist – an den Biedermeier-Möbeln, die nach Stationen in Milwaukee und Wien nun im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen sind, hätten auch junge Designer ihre Freude. Diese Formen, diese Farben, wie sie etwa das giftgrün bezogene Ruhebett aus dem Wiener Schloss Schönbrunn zeigt (Foto) – mit behäbiger Bürgerlichkeit, gar Kleingeisterei haben die kühnen Schöpfungen aus den Jahren zwischen 1800 und 1830, die unter dem Titel „Die Erfindung der Einfachheit“ präsentiert werden, nichts zu tun.

Kein Wunder, dass die Ausstellung, die DHMChef Hans Ottomeyer als Herzensding betreibt, weniger auf kulturgeschichtliche Rahmenbildung setzt als auf den Reiz und die Ausstrahlung des Einzelstücks. Mehr als 400 Objekte aller Kunstgattungen aus Deutschland, Österreich, Böhmen und Dänemark sind zu bewundern: Gemälde, Möbel, Glas und Porzellan, Silberarbeiten und Mode aus den damaligen Metropolen Wien, München, Berlin und Kopenhagen. Und doch präsentiert die Ausstellung auch eine aufsehenerregende These: Nicht der Stil des erwachenden Bürgertums sei das Biedermeier gewesen, mit dem man sich gegen den Prunk der Fürstenhäuser hätte absetzen wollen. Sondern im Gegenteil: Entstanden sei der Kunststil an den Fürstenhöfen, und das Bürgertum habe ihn von dort übernommen. Nur ein Beleg dafür ist die prächtige Mahagoni-Kommode aus dem Weimarer Wittumspalais der Herzogin Anna Amalia, die im vergangenen Jahr auf der Ars Nobilis in Berlin auftauchte und nun im DHM zu sehen ist. Christina Tilmann

DHM, Pei-Ausstellungshalle, Fr 8.6. bis So 2.9., tägl. 10-18 Uhr, 4 €

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