Bilanz Stiftung Preußischer Kulturbesitz : Das Jahr der Geschenke

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Hermann Parzinger ziehen Bilanz: hundert neue Kunstwerke für den Hamburger Bahnhof - und weniger Besucher bei Nofretete.

von
Die Schöne ist gekommen. Das Gedrängel um Nofretete ist allerdings kleiner geworden.
Die Schöne ist gekommen. Das Gedrängel um Nofretete ist allerdings kleiner geworden.Foto: Michael Sohn/dpa

Es ist alter Brauch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ihre Jahrespressekonferenz Ende Januar zu veranstalten. Diesmal hätte sie allerdings auch bereits zu Weihnachten stattfinden können, so viele gute Dinge gibt es zu vermelden. Der als Person nobel zurückhaltende Friedrich Christian Flick hat eine weitere Großspende, diesmal von 104 Arbeiten zeitgenössischer Kunst, dem Hamburger Bahnhof als Museum der Gegenwart vermacht. Darunter sind Werke von Cindy Sherman, Dan Graham, Paul McCarthy und Pipilotti Rist. Die Schenkung soll im Herbst 2015 in einer umfassenden Ausstellung im Hamburger Bahnhof vorgestellt werden.

Immer noch als gänzlich unerwartetes Geschenk wird die Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages bejubelt, 200 Millionen Euro für ein „Museum der Moderne“ als Ergänzung der Neuen Nationalgalerie lockerzumachen. Für „M20“ – so der interne Codename – soll möglichst noch in diesem Jahr ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben werden.

Glücklichen Fortgang nehmen auch zwei weitere Bauvorhaben. Zum einen das James-Simon-Galerie genannte Eingangsgebäude zur Museumsinsel, das nach stark verzögernden Problemen mit dem Baugrund nunmehr „aus dem Wasser wächst“, der gefluteten Baugrube nämlich. Und zum anderen das Humboldt-Forum im Schloss, das bis zur Dachkante im Rohbau fertig ist und am 12.Juni mit dem Richtfest gefeiert werden soll – „Tage der offenen Baustelle“ inklusive.

Hermann Parzinger: Keine Erklärung für rückläufige Besucherzahlen

Eine weitere gute Nachricht von Präsident Hermann Parzinger: Der Bauhaushalt, der allein vom Bund getragen wird, wächst ab diesem Jahr um glatte 26 Millionen Euro auf 106 Millionen Euro an.

Neben dem von Jahr zu Jahr fortgeschriebenen Haushalt, zu dem Eigeneinnahmen in Höhe von 29 Millionen Euro beitragen, gibt es Drittmittel, und in beiden Bereichen hat das zurückliegende Jahr Rekordzahlen erbracht. Die unmittelbar an Projekte weitergereichten Drittmittel etwa des Bundesbildungsministeriums oder großer Wissenschaftsorganisationen betrugen 34 Millionen Euro, was die unter Parzinger energisch vorangetriebene Rolle der Preußen-Stiftung als Forschungseinrichtung dokumentiert.

Als Wermutstropfen müssen die Rückgänge der Besucherzahlen vermerkt werden, rund 10 Prozent im Ganzen – von 4,3 auf 3,9 Millionen –, jedoch bei einzelnen Häusern wie dem nun geschlossenen Saal des Pergamonaltar weit mehr. Dieser Trend wird sich im neuen Jahr fortsetzen, entfällt doch die Neue Nationalgalerie wegen mindestens fünfjähriger Schließung. Warum aber auch das viel gerühmte Neue Museum, Heimstatt der Nofretete, einen Einbruch von 940 000 auf 633 000 Besuche hinnehmen musste, bleibt unklar. Gewiss, der Reiz des Neuen, der Architektur David Chipperfields, hat sich abgeschliffen, aber das mindert nicht die Qualität der gezeigten Sammlungen.

2 Kommentare

Neuester Kommentar