Bilder aus dem Konzentrationslager : Höllenbilder

Eine Berliner Ausstellung in der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ zeigt Zeichnungen von Franciszek Znamirowski, eine kleine Sensation.

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Schwarzarbeit. Zeichnung von Franciszek Znamirowski aus dem Jahr 1944.
Schwarzarbeit. Zeichnung von Franciszek Znamirowski aus dem Jahr 1944.Foto: Stiftung

Das Aquarell zeigt die Rückansicht eines Mannes, der aus dem Fenster blickt, in der Hand eine Pfeife. Im Hintergrund zwei Männer an der Staffelei. „Auf Posten ... Schwarzarbeit“ steht am rechten Bildrand. Weiter unten die irritierende Mitteilung „Gusen – 1944 (F.Z.)“. Im Außenlager Gusen, gleich neben dem Konzentrationslager Mauthausen, schufteten Häftlinge aus Polen, später aus der Sowjetunion und Ungarn für den drittgrößten deutschen Flugzeughersteller, die Regensburger Messerschmittwerke.

Beschauliches Kunsttreiben in der berüchtigten „Hölle von Gusen“? Noch dazu unter den Augen des Kapos, der sich, wie ein anderes Blatt zeigt, nach Regensburg träumt? Die Ausstellung in den Räumen der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ ist eine kleine Sensation. „F.Z.“, Franciszek Znamirowski, der Urheber des zehn Arbeiten umfassenden Konvoluts, bannte die Szenen aus dem Arbeitslagerleben auf Papier und schenkte sein „Gusen-Album“ dann eben jenem Aufseher, der auf mehreren Blättern zu sehen ist. „Gut gesinnt“ steht unter dem ersten. Gemeint ist damit Karl Seider, Kontrolleur im Maler- und Lackiererkommando, dem Znamirowski nach seiner Überstellung 1944 von Auschwitz zugeteilt war.

Der 1884 geborene Major der polnischen Armee, 1943 als Widerstandskämpfer verhaftet, war ausgebildeter Maler, was ihm mehrfach das Leben rettete. In Gusen übernahm er kleinere Auftragsarbeiten für die SS-Mannschaften, die er gegen Essensrationen eintauschte. Die heimlich entstandenen Aquarelle sind oft nur im Kontext der Lagerumstände zu entschlüsseln. Doch immer zeugen die Karikaturen von der ironischen Distanz, mit der sich der Künstler die unmenschliche Realität vom Leib gehalten hat.


Stiftung EVZ , Lindenstr. 20–25, bis 6. 6.; Mo bis Fr 10–15 Uhr.

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