Kultur : Bilder der ersten Mütter

ARCHÄOLOGIE

Ulrike Nürnberger

Felsbilder inmitten einer noch unberührten Landschaft zeigen Frauen mit ausladenden Hinterteilen, in Begleitung von einem oder mehreren Männern oder auch mit Kind. Die deutsche Archäologin Anneliese Peschlow-Bindokat entdeckte seit 1994 im Latmosgebirge unweit der türkischen Westkünste 125 Felsbilder mit über fünfhundert Menschendarstellungen: eine archäologische Sensation. Diese bisher frühesten Funde prähistorischer Felsmalerei im westlichen Kleinasien zeugen vom Beginn der Sesshaftwerdung des Menschen. Während eiszeitliche Felsmalereien wie Lascaux und Altamira vor allem Tierdarstellungen und Jagdszenen zeigen, rückt im Latmosgebirge der Mensch, die Familie und deren Fortbestand in den Mittelpunkt. Sehr wahrscheinlich sind die bemalten Felsüberhänge als Kultplätze für Fruchtbarkeitsfeste zu deuten. Jedoch befürchtet die Archäologin nun, dass Bergtourismus den 8000 Jahre alten Malereien ernsten Schaden zufügen könnte. Dem könne nur Einhalt geboten werden, wenn diese einzigartige Kulturlandschaft mit Funden von der Prähistorie bis zum Mittelalter zum Nationalpark erklärt würde. Die für Archäologen wie auch Anthropologen bahnbrechenden Entdeckungen sind so bedeutend, dass bereits Anstrengungen unternommen wurden, das Gelände in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco aufzunehmen. Die Fotoausstellung im Türkischen Haus in Berlin (An der Urania 15, bis 4. Februar, Di-So 12-18 Uhr) bildet den Auftakt einer Wanderausstellung mit hervorragenden Aufnahmen der Felsbilder.

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