Kultur : Bilder mit verteilten Rollen

KATRIN BETTINA MÜLLER

Künstlerfreunden widmen sich Ausstellungen oft, Familienbande dagegen werden selten öffentlich bekannt.Zu groß ist die Angst vor dem Vergleich und der Behauptung von Abhängigkeiten.Denn die Emanzipation von der väterlichen Autorität wiegt doppelt schwer in der Kunst, die doch immer das Individuelle und Eigene fordert.Die Galerie Bremer wagt eine Ausnahme und stellt die Stadtlandschaften von G.L.Gabriel zusammen mit der poetischen Zeichenschrift der Mutter Mienske Janssen und den Farberuptionen des Vaters Fred Thieler vor.

Das Ergebnis verführt, die Bilder als Zeugnis einer vertrauten Rollenverteilung zu lesen.Der Patriarch der informellen Malerei ist mit Arbeiten aus den 90er Jahren vertreten (bis 115 000 DM): Rot, Blau und Schwarz stürzen dünnflüssig und schnell übereinander.In diesen Spätwerken muß Thieler längst nicht mehr die Abstraktion und Abkoppelung des Bildgeschehens von der Außenwelt als experimentelles Feld der Erfahrung verteidigen wie in den 50er Jahren.

Aus dieser Zeit stammen die Aquarelle seiner damaligen Ehefrau Mienske (bis 2600 DM).Dem Schöpfungsrausch, der alles aus sich nimmt, hält sie in schwingenden Konturen eine Bildsprache entgegen, die der äußeren Welt zuhört.Knapp notiert sie Bäume, Berge, Stadtveduten, betont vor allem die Offenheit der Wahrnehmung.

Die Tochter Gabriele, 1958 geboren, änderte ihren Namen in G.L.Gabriel, um den Schatten des Vaters abzuschütteln.Gegen die Wucht und das Schwelgerische seiner Kunst behauptet sie sich nüchtern und reduziert.Auf großen Bildflächen interpretiert sie Architektur als dringlich geronnene Geschichte und zugleich als Psychogramm einer Generation.Ihr "Blick aus dem E.T.A.Hoffmann-Garten auf das Jüdische Museum" (21 000 DM) ist scharfkantig und bedrohlich.Der Himmel, der über den Betonstelen sichtbar wird, spitzt sich keilförmig zu wie ein Kampfflugzeug.Der schmale Ausschnitt der Fassade mit hochsitzenden Fensterschlitzen starrt auf uns herab wie die Maske eines Ritters.Die Außenwelt ist zur Projektionsfläche für das Innen geworden, die Trennung von Gegenständlichkeit und subjektiver Entäußerung aufgehoben.

Zweifellos lassen sich die malerischen Intentionen nicht auf einen Generationskonflikt reduzieren.Bilder entstehen nicht nur aus Abgrenzung.Mit der gemeinsamen Ausstellung aber gewinnen alle drei ein Stück Souveränität über die familiären Konkurrenzen.

Galerie Bremer, Fasanenstraße 37, bis 8.August; Dienstag bis Freitag 12-18 Uhr.

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