Kultur : Bilk statt Handke

Ein

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von StephanAndreas Casdorff

Peter Handke – ein Name wird zum Synonym. Für Einmischung der Politik, für Politisierung der Kunst. Für Peinlichkeiten entlang der Wahrnehmung dessen, was wir uns doch für die Gesellschaft gerne wünschen: intellektuelle Herausforderung. Wie oft wird dieses Wort verwendet. Aber wird es angewendet, wird es wahre Wirklichkeit und nicht nur papierner Streit, ist das Erstaunen groß. Dann ist, mit dem alten Adenauer gesprochen, dem großen Politphilosophen, die Lage da. Man muss sich erklären. Kunst. Kultur. Politik. Keines ist eine geschlossene Veranstaltung.

Anstrengend ist es, sich auseinander zu setzen, weil so viele zurechtrücken, mitreden, widersprechen wollen. Der Stadtrat von Düsseldorf, der sich mit der Vergabe des Heine-Preises an Handke noch einmal befassen sollte, tat es nicht. Er sprach lieber über Bilk. Das ist ein Stadtteil. Man kam nicht mehr dazu. Handke ist ja auch so anstrengend. Wie Nachdenken. Sie hätten vorausdenken sollen. Es hätte nicht sein dürfen, dass die Vergabe eines Preises an die Zustimmung des Stadtrats gebunden ist. Damit war die Einmischung der Politik vorgesehen. Die Politik hätte sich die Einmischung versagen sollen. Ehe sie öffentlich jemandem den Preis versagt, der den Regeln der politischen Korrektheit nicht genügt, der sich ihren Regeln nicht unterwerfen mag. War das nicht auch, nur am Rande, bei Heine so?

Gleichviel, nun ist es, wie es nicht hätte kommen dürfen. Handke bekommt den Preis nicht, will ihn längst nicht mehr. Jury-Mitglieder treten zurück. Die Politiker nicht. Politik versagt sich stattdessen das Gespräch, die Selbstvergewisserung, den Dialog mit Handke. Der hat versucht zu erläutern, hat darum Wörter neu zusammengefügt zu Worten, von denen er dachte, dass sie den Inhalt ergäben, mit dem sich nochmals auseinanderzusetzen lohnte. Er hat doch nicht, er wollte doch nicht. Er wollte nicht widerrufen, aber einen Widerspruch in die Debatte hineinrufen.

Das hätte man klären können, von Angesicht zu Angesicht. Im Sinne des Zusammensetzens, des Diskutierens, Disputierens. Das wäre preiswürdig, Heine hätte Freude daran. Was ist Politik, wenn nicht das? Was ist hohe Kunst des Politischen, wenn nicht das? Was ist politische Kultur, wenn nicht – vorbei. Der Stadtrat hat getagt. Die Sitzung ist geschlossen.

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