Kultur : Bill reloaded

Rettung für einen Ballettchef: William Forsythes Company tanzt künftig in Frankfurt und Dresden

Sandra Luzina

Es war schon ein einmaliges Schauspiel, das sich gestern nachmittag in der Hessischen Landesvertretung in Berlin bot. Bei der Pressekonferenz zur Neugründung der Forsythe Company hatten auf dem Podium Platz genommen: Roland Koch, Ministerpräsident des Landes Hessen, Georg Milbradt, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Petra Roth, Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Lutz Vogel, Kulturbürgermeister der Stadt Dresden, und Claus Löwe, Vorsitzender des Vereins der Freunde „The Forsythe Company“ e.V. Unter den Zuhörern: Intendanten und andere Prominente aus Frankfurt/Main und Dresden, die eigens angereist waren. Star der Versammlung: natürlich der Choreograf William Forsythe, der gut gelaunt das Blitzlichtgewitter über sich ergehen ließ.

So viel Medienrummel ist beim zeitgenössischen Tanz nicht an der Tagesordnung. Aber es ging immerhin um eine „Entscheidung von nationaler Bedeutung“, so Roland Koch, die in der Hauptstadt stolz verkündet werden sollte. Denn die Gründung der Company wurde ermöglicht dank einer einmaligen länderübergreifenden Public Private Partnershipin dieser Form. Beteiligt sind Hessen und Sachsen, die Städte Frankfurt/Main und Dresden sowie private Sponsoren. Die Freude, dass nach komplizierten Verhandlungen ein innovatives Kooperationsmodell auf die Beine gestellt werden konnte, strahlten alle Beteiligten aus. Forsythe, der viel Umworbene, bedankte sich für die „unglaubliche Unterstützung“ und erklärte: „Ich bin froh, dass ich in Deutschland bleiben kann.“

In einer Kooperationsvereinbarung haben sich die beiden Länder und Städte verpflichtet, „The Forsythe Company“ bis 2009 jährlich mit einem Zuschuss von 3 Millionen Euro zu fördern. Eine weitere Million soll von privaten Förderern kommen. „Wir suchen noch weitere Sponsoren“, betonte Claus Löwe.

Nachdem das Frankfurter Ballett am Ende der letzten Spielzeit aus Kostengründen aufgelöst worden war, ist nun die Fortsetzung der Arbeit von Forsythe gesichert. Die Entscheidung hatte damals einen Aufschrei der Empörung provoziert: Deutschland – so stand zu befürchten – schien einen Künstler von Weltruhm zu vertreiben. Forsythe hat sich bislang nie zu den Frankfurter Kabalen geäußert, die zur Abwicklung des Balletts führten. Nun betont er: Es sei seine eigene Entscheidung gewesen, als Frankfurter Ballettchef aufzuhören. Schon länger sei es sein Wunsch gewesen, mit einer kleineren Compagnie zu arbeiten.

Künftig wird die 18 Tänzer umfassende Forsythe Company in den beiden historisch bedeutsamen Spielstätten Bockenheimer Depot Frankfurt und Festspielhaus Hellerau Dresden regelmäßig auftreten. Eröffnet wird die Saison am 21. April in Frankfurt mit einer Neuproduktion von Forsythe, der gegenwärtig auch ein Buchprojekt plant. Vor Einladungen zu internationalen Gastspielen kann sich die Truppe kaum retten.

Auch eine künstlerische Neuorientierung deutet sich an. „Wir kommen zwar vom Ballett, aber bewegen uns in eine andere Richtung,“ erläuterte der Choreograf. Er werde sich aber nicht neu erfinden, versprach Forsythe. Aus den kulturpolitischen Kämpfen ist der Balletchef deutlich gestärkt hervorgegangen: Bill reloaded.

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