Kultur : Biografie wirft kritisches Licht auf Luise Rinser

Die Schriftstellerin Luise Rinser, die als Kämpferin gegen den Faschismus und moralische Instanz der Bundesrepublik galt, erscheint in einer Biografie ihres Freundes José Sánchez de Murillo in einem kritischeren Licht. In seinem zu Rinsers 100. Geburtstag am 30. April erscheinenden Buch „Luise Rinser – Ein Leben in Widersprüchen!“ (S. Fischer) schreibt er: „Sie war in der Nazi-Zeit ebenso verstrickt wie viele andere“. So habe sie ihren jüdischen Schulleiter denunziert, um ihre Karriere als Lehrerin voranzutreiben. Neueren Forschungen zufolge war sie auch Ausbilderin beim BDM und verdiente gutes Geld als Drehbuchschreiberin für die UFA. Bereits im Januar hatte der Schriftsteller Michael Kleeberg im „Spiegel“ über die „Vergesslichkeit“ der 2002 gestorbenen Schriftstellerin geschrieben und darüber, „wie sich die prominente Nachkriegsautorin zur Widerständlerin stilisierte“.

„Sie war nie antisemitisch – ihr Lebtag nicht. Und sie war kein Nazi im engeren Sinn“, sagt Rinsers Sohn Christoph, mit dem der Autor eng zusammengearbeitet hat. Wohl aber sei sie stärker verstrickt gewesen, als sie je zugab – auch wenn der Umgang der Nazis mit Kunst und Kultur ihr die Augen öffneten und Murillo nicht daran zweifelt, dass sie nach dem Krieg zur glühendem Demokratin wurde. „Sie hat uns alle angelogen“, sagt Sánchez de Murillo heute. Rinser schrieb mehr als 30 Bücher, die sich weltweit über fünf Millionen Mal verkauften. dpa/Tsp

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