• Biografisches über F.A. von Hayek: Provokantes für Sozialdemokraten - Die Tradition der Freiheit

Kultur : Biografisches über F.A. von Hayek: Provokantes für Sozialdemokraten - Die Tradition der Freiheit

Detmar Doering

Hans Jörg Hennecke hat keinen Stein unumgedreht gelassen. Dabei dürfte er wohl so ziemlich alles gefunden haben, was es zu finden gab. Das Resultat ist das, was man mit Fug und Recht eine Standardbiographie des Ökonomen Friedrich August von Hayek (1899-1992) nennen darf. Kaum jemand stand zeitlebens so sehr im Mittelpunkt der wichtigsten wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Debatten dieses Jahrhunderts wie Hayek. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, der ihm 1974 verliehen wurde, markierte eine Trendwende. Zuvor galt es als fast undenkbar, dass einem derartig entschiedenen Verfechter der Marktwirtschaft diese Auszeichnung zuteil würde. Wenn seither die Marktwirtschaft wieder weltweit eine Renaissance feiert, dann liegt dies auch daran, dass er das geistige Fundament dazu gelegt hat.

Hayek war der wohl bedeutendste geistige Vorkämpfer des Liberalismus dieses Jahrhunderts. Zunächst in Wien, ab 1934 in London machte der Österreicher sich schon früh als Ökonom einen Namen - allerdings zunächst nur in Fachkreisen. Das änderte sich 1944 mit dem Buch "The Road to Serfdom" (Der Weg zur Knecht-schaft), das er unter dem Eindruck der Hitlerschen Gewaltherrschaft schrieb. Der Überdruss an der Dominanz planwirtschaftlicher Ideen unter den Intellektuellen veranlasste ihn, ein "populäres" Buch zu schreiben. Das Buch deckte gnadenlos die geistigen Wurzeln des Antiliberalismus auf. Hayek wies auf die strukturelle Verwandtschaft von rechten und linken Gewaltregimen hin, die sich beide in einem kruden "Antikapitalismus" ergingen. Freiheit ginge scheibchenweise verloren. Wer Wirtschaftsfreiheit einschränke, gefährde auch andere Freiheiten. Auch in späteren Jahren hörte Hayek nicht auf, das sozialdemokratische Establishment zu provozieren - etwa mit seinen Vorschlag von 1978, das staatliche Geldmonopol abzuschaffen. Statt einer europäischen Währungsunion solle man lieber die freie Konkurrenz der Währungen einführen, meinte er. Eindeutig: Hayek ist ein interessanter Gegenstand für eine Biographie. Hennecke hat die sich daraus ergebende Chance genutzt. Was er allerdings liefert, ist keine kritische Auseinandersetzung mit dem Ideengebäude Hayeks. Das meiste, was er dazu sagt, ist eher deskriptiv gehalten. Vielmehr gibt uns Hennecke auf brillante und erschöpfende Weise Auskunft über den biographischen und historischen Kontext, in dem das Hayeksche Oeuvre entstanden ist.

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