Kultur : Biografisches Weihnachtsrätsel

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In seiner Heimat bewegten sich viele so elegant wie der 1,84 Meter große Mann mit den langen Beinen. Weit weg in Europa feierte man ihn als eine Sensation. Wie es dazu kam, dass ihm die Pariser Boheme verfiel, ist nie genau geklärt worden. Er war ja nicht zum Tanzen gekommen, sondern zu den Olympischen Spielen. Aber wenn er im Prinzenpark seinen Sport ausübte, wirkte er genauso elegant wie nachts im Cabaret. Dass er schwarz war, spielte im Paris der Zwanzigerjahre keine Rolle. Abend für Abend stahl er sich davon und eroberte die Nacht. Als Sportler kehrte er hoch dekoriert zurück in die Heimat. Als Tänzer soll er eine Amerikanerin inspiriert haben, die zum großen Star des Pariser Nachtlebens wurde. Wenn er später auf Tourneen mit seinen Sportfreunden Station machte in Paris, entschwand er wieder in die Welt der Nachtclubs. Ein letztes Mal kam er 1928 nach Europa, wieder zu den Olympischen Spielen, und wieder reiste er als Anführer einer goldbehangenen Equipe heim. Und doch war es diesmal anders. Er hatte sich im Wettkampf am Auge verletzt und sollte sich davon nie wieder richtig erholen. Zwar war er zwei Jahre später noch einmal dabei, als sein Ensemble der Heimat zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit ein ganz besonderes Geschenk machte, es gilt heute noch als einer der ganz großen Triumphe des kleinen Landes. Doch danach hatte der Tänzer ausgetanzt. Er hangelte sich von einem Gelegenheitsjob zum nächsten. Dann verlor sich seine Spur in den Slums seiner Heimatstadt, in der er mit 55 Jahren verstarb, dem Alkohol verfallen, verarmt und vergessen.

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